23. August 2008 - Vor 50 Jahren: Stapellauf des Segelschulschiffs "Gorch Fock"

Stichtag

23. August 2008 - Vor 50 Jahren: Stapellauf des Segelschulschiffs "Gorch Fock"

An die 10.000 Menschen drängen sich an jenem Augusttag auf dem Gelände der Hamburger Werft Blohm + Voss. Sie sind gekommen, um einen historischen Moment in der gerade drei Jahre währenden Geschichte der bundesdeutschen Marine mitzuerleben. Nach rund fünf Monaten Bauzeit wird ein 1.760 Tonnen großes, knapp 90 Meter langes und zwölf Meter breites Segelschulschiff dem Wasser übergeben. Beifall brandet auf, als die 14-jährige Ulli Kinau treffsicher eine Flasche Sekt am Bug der weiß-grünen Dreimastbark zerschellen lässt und den Großsegler damit auf den Namen "Gorch Fock" tauft. Unter den Klängen des Deutschlandliedes und vereinzelten Hurra-Rufen gleitet die neue Ausbildungsstätte der Bundesmarine langsam ins Wasser der Elbe. Ihr Namensgeber ist der Onkel der jungen Taufpatin.

Gorch Fock ist der Künstlername des plattdeutschen Schriftstellers Johann Kinau. Dessen 1912 erschienener Abenteuerroman "Seefahrt ist Not" gehört jahrzehntelang zur Lieblingslektüre kleiner und großer Leser. Als Matrose kommt Kinau 1916 in der so genannten Seeschlacht am Skagerrak zwischen Dänemark und Norwegen beim Untergang des Kreuzers "Wiesbaden" ums Leben. Eine andere Tragödie überschattet an jenem 23. August 1958 auch den Stapellauf der "Gorch Fock". Nur elf Monate zuvor ist das deutsche Segelschulschiff "Pamir" bei den Azoren in einem Hurrikan gesunken. 80 der 86 Besatzungsmitglieder finden dabei den Tod. Nach heftigen Diskussionen um Sicherheit und Sinn einer Segel-Pflichtausbildung für junge Seeleute, wird der neue Dreimaster mit einer 800-PS-Maschine sowie modernster Radar- und Wettermess-Technik ausgestattet. Außerdem wird der "Kasernenhof zur See" auch untertakelt, das Verhältnis der Segelfläche zur Schiffsgröße also relativ klein gehalten.

Mit ihren insgesamt 23 Segeln erreicht die "Gorch Fock" so eine Geschwindigkeit bis zu 16 Knoten, also fast 30 Kilometer pro Stunde. An die 700.000 Seemeilen hat die "Gorch Fock" seit ihrem Stapellauf vor 50 Jahren zurückgelegt. Rund 14.000 angehende Offiziere und Unteroffiziere haben in dieser Zeit den seemännischen Schliff bekommen. Seit 1991 müssen auch Frauen auf die "Gorch Fock" und erfahren während des achtwöchigen Lehrgangs, dass der Dienst auf dem "Weißen Schwan der Ostsee" alles andere als ein Traumschiff-Urlaub ist.Wer als Zivilist an Bord der "Gorch Fock" gehen möchte, der sollte nach Stralsund reisen. Dort liegt der fast baugleiche Vorgänger von 1933 als Museumsschiff vor Anker. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs war die originale "Gorch Fock" in den Besitz der UdSSR übergegangen und unter dem Namen "Towarisch" als Schulschiff der Sowjetmarine zur See gefahren. Dank privater Geldgeber konnte der zuletzt unter ukrainischer Flagge segelnde und völlig heruntergekommene Windjammer 2003 komplett restauriert werden und lockt seither jährlich zehntausende Besucher in den Hafen von Stralsund.

Stand: 23.08.08