30. März 1912 – Karl May stirbt in Radebeul

1912: Todestag Karl May (dt. Schriftsteller)

Stichtag

30. März 1912 – Karl May stirbt in Radebeul

Wolfgang von Weisl ist weit herumgekommen in der Welt. In den 20er Jahren bereist der österreichische Journalist im Auftrag einer Zeitung den Nahen Osten, später wird er zum Dolmetscher des Königs von Ägypten. "Ich kenne keinen einzigen Autor", schreibt der Islam-Experte über Karl May, "der über den Orient so viel Richtiges geschrieben, der seinen Geist so erfasst und sicher dargestellt hat, wie dieser Mann, und dasselbe sagten mir alle Deutschen, die ich hier im Osten traf: Konsuln, Archäologen und Kaufleute".

Nur einen Schönheitsfehler hat die Einschätzung: Karl May hat die von ihm geschilderten Erlebnisse im Orient oder im Wilden Westen nie erlebt. Das "Richtige" seiner Schilderungen entspringt vor allem seiner Phantasie.

Zur Autorität ein falscher Doktortitel

Geboren wird Carl Friedrich May 1842 als fünftes von insgesamt 14 Kindern einer Weberfamilie im sächsischen Ernstthal. Schon früh versucht er, der Armut ins Reich seiner Träume zu entfliehen. Zwar bemüht er sich, als Lehrer im bürgerlichen Leben Fuß zu fassen. Mehrere Diebstähle und Betrugsfälle sowie eine Verurteilung zu viereinhalb Jahren Arbeitshaus beenden diese Pläne jedoch. In der Haft entwirft May sein Leben neu und besinnt sich auf das, was er am besten kann: aufs Dichten.

Zunutze macht sich May dabei den Umstand, dass das Publikum im neu gegründeten Deutschen Reich nach Unterhaltung giert. Der Autor schreibt für den katholischen "Deutschen Hausschatz" und die Jugendzeitschrift "Der gute Kamerad": Abenteurergeschichten, Reiseberichte, Heldentaten. Um seine Glaubwürdigkeit zu steigern, legt er sich einen falschen Doktortitel zu. Das Hintergrundwissen zu seinen Phantastereien verschafft er sich aus Zeitungsartikeln oder Konversationslexika.

Kultautor mehrerer Generationen

In der Folge macht sich May über seinen Ich-Erzähler zu Kameraden historischer Persönlichkeiten - und zum Kameraden seiner Figuren, die er zu historischen Persönlichkeiten macht. "Buffalo Bill kenne ich persönlich", heißt es an einer Stelle, und an einer anderen: "Halef Omar, Winnetou, Old Firehand haben wirklich gelebt oder leben noch und sind meine Freunde".

1891 findet May in Friedrich Ernst Fehsenfeld aus Freiburg einen Verleger, der in der Folge sein Gesamtwerk publiziert. 33 dicke Bände werden es am Ende sein. Vor allem die später erfolgreich verfilmten Geschichten um den christianisierten Apachen-Häuptling Winnetou machen ihn zum Kultautor mehrerer Generationen von Kindern und Jugendlichen.

In den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts verkauft Mays Verleger Fehsenfeld mehr als 100.000 Karl-May-Bände jährlich. Derweil lässt sich der Autor, als Old Shatterhand oder Kara Ben Nemsi verkleidet, fotografieren, um die Bilder seinen Fans zu schicken. Wird er auf Lesungen auf den Tod Winnetous angesprochen, beginnt er zu weinen. In Radebeul bei Dresden verwandelt May die 1896 gekaufte "Villa Shatterhand“"in ein phantastisches Reich voller Tierfelle und Schusswaffen samt ausgestopftem Löwen.

Entlarvt als Hochstapler

1899 reist May mit seiner Frau Emma und einem befreundeten Ehepaar tatsächlich erstmals in den Orient - auf ungefährlichen touristischen Pfaden. Als er zurückkehrt, wird er von einer medialen Welle an Betrugs- und Hochstapeleivorwürfen überrollt. Dass dabei auch seine kriminelle Vergangenheit publik wird, kränkt May am meisten.

Karl May stirbt am 30. März 1912 in Radebeul. Nach seinem Tod steigen die Verkaufszahlen seiner Bücher in hundertfache Millionenhöhe.

Stand: 30.03.2012

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