8. November 1996 – Trabrennfahrer Hans Frömming stirbt

Johann Frömming mit Pferd

Stichtag

8. November 1996 – Trabrennfahrer Hans Frömming stirbt

1964 ist Hans Frömming beim Prix d’Amerique im Hippodrom von Vincennes mit einer Wettquote von 820:10 absoluter Außenseiter. Dann gewinnt er das wichtigste Rennen seiner Art mit einer halben Länge Vorsprung, und die pferdesportverrückten Franzosen können es nicht fassen.

Er sei nach dem Sieg auf die Tribüne gekommen und niemand habe applaudiert, wird sich der Trabrennsportler später erinnern: "Eisige Stille bei 50.000 oder 60.000 Menschen". Als er ein Jahr später den Prix d’Amerique sensationell noch einmal mit einer französischen Stute gewinnt, wird er auf Händen getragen und als Held gefeiert.

Sparen für das Finish

Geboren wird Frömming 1910 als Sohn eines Fuhrunternehmers und begeisterten Trabrennamateurs in Berlin. Seinen Kosenamen "Hänschen" erhält er wegen seiner Körpergröße von nur 1,60 Metern. Schon früh träumt er davon, selbst Rennen zu fahren. Das erste Mal sitzt er mit 16 Jahren bei einem Wettkampf im Sulky – zusammen mit 30 Kilo Blei, um sein Untergewicht zu korrigieren. Frömming wird Zweiter – am Ende seiner Karriere wird er 5.592 Siege eingefahren haben.


Mit Ehrgeiz und Einfühlungsvermögen für die ihm anvertrauten Pferde arbeitet sich Frömming an die Spitze. Mit 23 Jahren gewinnt er mit dem Derby das wichtigste deutsche Trabrennen. 1935 kann er sieben Rennen an einem Tag für sich entscheiden: Weltrekord. Zum Erfolg trägt nicht zuletzt seine Taktik bei, sich während des Rennen zurückzuhalten und die Kräfte des Pferdes für das Finish aufzusparen. Populär macht Frömming auch, dass er die Medien geschickt für sein Image des sportlichen, ebenso eleganten wie bescheidenen Sportlers zu nutzen weiß.

"Wir haben ihn gar nicht kommen sehen"

Im Dritten Reich versteckt Frömming, der von Hitler einmal auch persönlich eingeladen wird, einige Juden auf seinem Gestüt und rettet ihnen damit das Leben. Zeitweise trainiert er 150 Spitzenpferde weltweit gleichzeitig. 1956 erleidet er beim Prix de France bei einem Sturz einen doppelten Schädelbruch, verliert Geschmacks- und Geruchssinn. Seine Karriere schien zu Ende.

Aber Frömming gibt nicht auf und arbeitet sich einmal mehr an die Spitze. 1974 deklassiert er beim Prix d’Amerique mit seiner altbewährten Taktik zum dritten Mal die Konkurrenz. "Wo kam er her?", fragt ein erstaunter Reporter. "Wir haben ihn außen gar nicht kommen sehen." Bis zum 79. Lebensjahr sitzt Frömming im Sulky und gewinnt sogar noch Rennen. 1,5 Millionen Kilometer hat er schließlich abgetrabt. Hans "Hänschen" Frömming stirbt am 8. November 1996 in Hamburg.

Stand: 08.11.2011

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