Bundesverteidigungsminister Georg Leber (SPD) während eines Festakts zum 20-jährigen Bestehen der Bundeswehrschule für Innere Führung 1977 in Koblenz

Stichtag

28. Oktober 1956 - Bundeswehrschule für Innere Führung eröffnet

Nach dem Zweiten Weltkrieg ist den Deutschen zunächst jede militärische Betätigung verboten. Mit der zunehmenden Ost-West-Konfrontation ändert sich das jedoch. Im Kalten Krieg wird die Bundesrepublik zum Frontstaat und von den Amerikanern zur Wiederbewaffnung ermuntert. Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) lässt sich nicht lange bitten. Seine Forderung: Verteidigungsbeitrag gegen nationale Selbstständigkeit.

Im Oktober 1950 treffen sich auf Adenauers Wunsch ehemalige Wehrmachtsgeneräle und Admirale im Eifelkloster Himmerod, um den Aufbau der Bundeswehr zu planen. Mit dabei ist der ehemalige Major Wolf Graf von Baudissin, der ein neues soldatisches Leitbild propagiert: den "Staatsbürger in Uniform".

Kein Kadavergehorsam mehr

Die Soldaten der jungen Bundesrepublik sollen zwar noch auf Befehl reagieren und Gehorsam geloben, aber nicht mehr so wie in allen deutschen Armeen zuvor. Kadavergehorsam soll es nicht mehr geben. Ziel ist es, das Menschenbild des Grundgesetzes auch für die Soldaten zur verbindlichen Vorgabe zu machen. Sie sollen mit allen verfassungsmäßigen Rechten eines Staatsbürgers ausgestattet sein - und nicht etwa vom Wahlrecht ausgeschlossen sein wie früher. Die Rechte der Soldaten sollen nur insoweit eingeschränkt werden, wie dies für die Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit der Streitkräfte erforderlich ist.

Auch die neue Armee soll fester Bestandteil der Demokratie werden - und sich nicht wie frühere deutsche Armeen als unkontrollierbare Macht im Staat aufführen. Die oberste Entscheidungsgewalt über die im Oktober 1955 gegründete Bundeswehr bekommt deshalb der Bundestag. Ohne seinen Beschluss soll kein Soldat ausrücken. Auch die Soldaten selbst erhalten das Recht, sich gegen Willkür zu wehren. Sie können sich zum Beispiel direkt an den Wehrbeauftragten des Bundestages wenden, ohne ihren Vorgesetzten zu informieren.

Neuen Führungsstil lernen

Um die neuen Prinzipien vermitteln zu können, müssen die Offiziere den dafür notwendigen Führungsstil erst einmal lernen. Deshalb wird am 28. Oktober 1956 in Köln die "Schule der Bundeswehr für Innere Führung" eröffnet. Im darauf folgenden Februar wird sie nach Koblenz verlegt, wo seither die Vorgesetzten in der Bundeswehr ausgebildet werden. 1981 wird die Schule in "Zentrum Innere Führung" umbenannt.

Angesichts der Auslandseinsätze der Bundeswehr gehören heute Angst- und Stressbewältigung zu den wichtigsten Aufgaben des "Zentrums Innere Führung". Aber auch politische Bildung und Diskussion sind ein grundlegender Bestandteil der Ausbildung. Trotzdem gibt es in der Bundeswehr immer wieder Zwischenfälle. So wird zum Beispiel 2004 bekannt, dass in einer Bundeswehr-Kaserne im westfälischen Coesfeld Rekruten misshandelt wurden: Ausbilder hatten eine Geiselnahme mit anschließendem Verhör inszeniert. Deshalb werden im "Zentrum Innere Führung" mittlerweile auch derartige Vorkommnisse in Seminaren aufgearbeitet.

Stand: 28.10.2011

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