9. Juli 2006 - Italien wird zum vierten Mal Fußball-Weltmeister

Alessandro del Piero (ITA) küsst den WM Pokal

Stichtag

9. Juli 2006 - Italien wird zum vierten Mal Fußball-Weltmeister

24 Jahre lang hofft Italien sehnsüchtig darauf, endlich wieder die Krone des Welt-Fußballs zu erringen. Bei jeder WM seit dem letzten Titelgewinn 1982 galt die stolze Squadra Azzurra als Mitfavorit und scheiterte. 2006 aber, als das Turnier vom Erzrivalen Deutschland ausgerichtet wird, traut kaum jemand im ballverrücktesten Land Europas seiner Mannschaft den vierten Cup-Gewinn zu. Ihre größten Stars durchleben eine Formkrise, weil ein Korruptionsskandal die Seria A, Italiens höchste Spielklasse, erschüttert. Doch ausgerechnet im deutschen Sommermärchen ereignet sich das azurblaue Wunder von Berlin.

Unbelastet von großen Erwartungen bezieht die Mannschaft von Trainer Marcello Lippi ihr WM-Quartier in Duisburg-Huckingen. Durch ein 2:0 gegen Ghana gelingt ihr ein perfekter Start in die Vorrunde. Mit einem Unentschieden gegen die USA und einem weiteren 2:0-Sieg über die hoch gelobten Tschechen qualifiziert sich Italien als Gruppen-Erster für das Achtelfinale. Dort warten die überraschend starken Australier und werden erst in der Nachspielzeit mit einem verwandelten Foul-Elfmeter bezwungen. Das Viertelfinale ist erreicht.

Defensivkünstler schalten auf Angriff

Doch während Gastgeber Deutschland bereits in vollen Zügen sein schwarz-rot-goldenes Sommermärchen feiert, macht sich jenseits der Alpen immer noch keine WM-Stimmung breit. Fan-Massen beim Public Viewing, Fahnenmeere an Autos und Fenstern: Fehlanzeige. Erst nach einem überzeugenden 3:0-Sieg über die Ukraine entdecken die Tifosi allmählich ihre Liebe zu der von Kapitän Fabio Cannavaro angeführten Nationalelf wieder.

Im Halbfinale kommt es am 4. Juli in Dortmund zum Klassiker Deutschland-Italien. Nach torlosen 90 Minuten geht die Partie in die Verlängerung, in der Trainer Marcello Lippi seinen Kontrahenten Jürgen Klinsmann mit einem cleveren Griff in die Trickkiste überrascht: Er verstärkt seine als Defensivkünstler bekannte Mannschaft mit zwei weiteren Sturmspitzen. Während sich die "Klinsmänner" gedanklich schon auf das Elfmeterschießen vorbereiten, kassiert Torhüter Jens Lehmann kurz vor dem Abpfiff doch noch zwei Treffer. So wird das letzte Kapitel des deutschen Sommermärchens nur mit einem Sieg gegen Portugal im Spiel um Platz drei geschrieben. Italiens Team dagegen hat es zur Verblüffung der eigenen Landsleute ins Finale gegen Frankreich geschafft.

Zidane köpft sich ins Aus

Das WM-Endspiel am 9. Juli 2006 in Berlin gerät trotz mittelmäßiger Klasse zum großen Fußball-Drama. Hauptdarsteller sind Italiens Abwehrrecke Marco Materazzi und Weltstar Zinedine Zidane, der seinen letzten Auftritt für die Equipe Tricolore bestreitet. Einen zu Spielbeginn von Zidane verwandelten Foulelfmeter kann Materazzi kurz darauf ausgleichen. Erneut muss Italien in die Verlängerung.

In der 110. Minute ereilt Frankreich die Katastrophe. Provoziert durch eine Verbalattacke seines Gegenspielers lässt sich Zidane zu einem Kopfstoß gegen Materazzi hinreißen. Der Nationalheld sieht die rote Karte und verlässt mit hängendem Kopf das Feld. Geschockt vom unrühmlichen Abschied ihres besten Spielers stehen die Franzosen die letzten Spielminuten durch. Danach gewinnt die Squadra Azzurra erstmals in ihrer langen Geschichte ein WM-Elfmeterschießen und holt nach 1934, 1938 und 1982 die Trophäe wieder nach Italien.

Stand: 09.07.2011

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