2. Juli 1961- Ernest Hemingway stirbt in Ketchum

Stichtag

2. Juli 1961- Ernest Hemingway stirbt in Ketchum

Knapp 18 Jahre alt ist Ernest Hemingway, als er sich freiwillig als Soldat im Ersten Weltkrieg meldet. Kämpfen will er, und darf dann doch nur helfen: Im Auftrag des Roten Kreuzes ist er als Rettungswagenfahrer tätig. Zur Front kommt er schließlich als Freiwilliger im Dienst der Kantine: Als er Schokolade zu den Schützengräben bringt, wird er schwer verwundet.

1929 wird Hemingway seine Erlebnisse in seinem Roman "In einem anderen Land" verarbeiten. Schon zu dieser Zeit schwankt seine Darstellung zwischen Realität und Mythenbildung rund um die eigene Person.

Der "wahre Satz"

Hemingway wird 1899 in Oak Park, Illinois, geboren. Sein Vater, der ihm das Jagen beibringt, wird sich später erschießen. Zur Mutter, die ihn zum Musiker machen will, hat er Zeit seines Lebens ein schwieriges Verhältnis, wie zu den Frauen allgemein: Insgesamt ist er vier Mal verheiratet.

Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitet Hemingway zunächst als Reporter beim "Toronto Star", bevor er in den zwanziger Jahren nach Paris übersiedelt. Hier trifft er im Salon von Gertrude Stein auf Schriftsteller wie Ezra Pound und Francis Scott Fitzgerald, die ihn zum literarischen Schreiben ermuntern. Mit dem Erzählband "In unserer Zeit" (1925) wird er schnell zum zentralen Vertreter der von Stein so genannten "Lost Generation", die die desillusionierende Erfahrungen des Krieges und das sinnentleerte Lebensgefühl ihrer Generation thematisierten.

1927 erscheint Hemingways Erzählsammlung "Männer ohne Frauen" mit der klug komponierten Short Story "Die Killer". Sie weist den Autor als Meister der atmosphärischen, mit einer betont knappen, schnörkellosen Sprache erzeugten Dichte aus und illustriert Hemingways ständige Suche nach dem präzisen, "wahren Satz". Bereits hier steht Hemingways wichtigstes Thema - das menschliche, zumeist männliche Kämpfen und Versagen, oftmals in der Grenzsituation des Todes, im Krieg, beim Stierkampf oder auf Safari - im Zentrum.

Kurzes Comeback

Im Spanischen Bürgerkrieg nimmt Hemingway an zahlreichen Schlachten teil. Wenige Monate des Zweiten Weltkriegs erlebt er als Kriegsberichterstatter mit. Auch wenn er keine Waffe tragen darf, wird er später damit prahlen, 122 "Krauts" getötet zu haben. 1939 kührt Hemingway Kuba zu seiner Wahlheimat. Ein Jahr später legt er mit dem Roman "Wem die Stunde schlägt" eine eindrucksvolle, zwei Jahre später mit Gary Cooper und Ingrid Bergman erfolgreich verfilmte Parabel auf menschliche Unterdrückung im Faschismus vor. Danach versiegt langsam seine Schaffenskraft - nicht zuletzt als Folge seines Alkoholismus. 1952 gelingt ihm mit "Der alte Mann und das Meer" noch einmal ein kurzzeitiges literarisches Comeback. 1954 erhält Hemingway dafür den Literatur-Nobelpreis.

1960 verlässt Hemingway Kuba. Im selben Jahr erscheint mit dem Gedichtband "Gesammelte Gedichte" sein letztes zu Lebzeiten herausgegebenes Buch. Wie sein Vater, so erschießt sich auch Hemingway. Er stirbt am 2. Juli 1961 in Ketchum, Idaho.

Stand: 02.07.2011

Programmtipps:

Auf WDR 2 können Sie den Stichtag immer gegen 9.40 Uhr hören. Wiederholung: von Montag bis Freitag gegen 17.40 Uhr und am Samstag um 18.40 Uhr. Der Stichtag ist in den vier Wochen nach der Ausstrahlung als Podcast abrufbar.

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.05 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 2. Juli 2011 ebenfalls an Ernest Hemingway. Auch das "ZeitZeichen" gibt es einen Monat lang als Podcast.