1. Juli 1986 - Dr. Frank Etscorn erhält Patent auf Nikotinpflaster

Geknickte Zigarette auf Raucherpflaster

Stichtag

1. Juli 1986 - Dr. Frank Etscorn erhält Patent auf Nikotinpflaster

Bis zu zehn Prozent einer handelsüblichen Zigarette bestehen nicht aus Tabak, sondern aus Tausenden zusätzlicher Inhaltsstoffe. Die wenigsten Raucher sind sich bewusst, welch ausgeklügelten Chemiecocktail sie mit jedem Zug einatmen, denn nur drei dieser Stoffe müssen auf der Packung deklariert werden: Teer, Kohlenmonoxid und Nikotin, der Stoff, der Raucher süchtig macht.

Beim Rauchen tief inhaliert, kann das Nikotin seine Abhängigkeit erzeugende Wirkung optimal entfalten. Binnen zehn Sekunden erreicht es das Gehirn und gibt dem Raucher für etwa 30 Minuten das Gefühl von Entspannung und erhöhter Konzentrationsfähigkeit. Dann klingt der Effekt ab und der Drang nach Nachschub macht sich bemerkbar. Wird das Nikotin dem Körper allerdings über einen langen Zeitraum in kleinen Dosen zugeführt, ist sein Suchtpotential bedeutend geringer.

US-Professor gewinnt das Vermarktungsrennen

Diese Erkenntnis lässt Wissenschaftler weltweit in den 1980er-Jahren nach Wegen suchen, wie entwöhnungswilligen Rauchern der Qualm-Verzicht erleichtert werden kann. An der Wilhelms-Universität in Münster kommen die Forscher zu dem Schluss, dass ein Nikotin-Pflaster den Entzugserscheinungen am effektivsten entgegenwirkt. Doch der Sieger im Wettlauf um die kommerzielle Vermarktung der Idee "kleben statt qualmen" kommt aus den USA. Dort wird dem Psychologie-Professor Dr. Frank Etscorn am 1. Juli 1986 das erste Patent auf ein "Nicotine Patch" erteilt.

Heute sind Nikotinpflaster von etlichen Herstellern in unterschiedlichen Dosierungen erhältlich, die meisten davon rezeptfrei. Einziger Wermutstropfen: Die Pflaster gelten als "Lifestyle-Produkte" und werden nicht von den Krankenkassen bezahlt. Dabei haben sie sich im Vergleich mit anderen inzwischen entwickelten Entwöhnungsprodukten wie Nikotinkaugummis, Lutschpastillen oder Nasensprays gerade für starke Raucher als bestens geeignet erwiesen. "Man soll keine Wunder erwarten, aber es ist nachgewiesen, dass 10 bis 20 Prozent der Leute, die es richtig anwenden, auf Anhieb vom Rauchen wegkommen", bestätigt Professor Ulrich Keil von der Universitätsklinik Münster.

Pflaster und Klebestelle täglich wechseln

Richtig anwenden heißt, das Pflaster auf eine unbehaarte, nicht eingefettete und saubere Hautstelle zu kleben, am besten am Oberarm. Regelmäßig alle 12 bis 24 Stunden muss es gewechselt und auf eine andere Stelle geklebt werden, sonst könnte zu viel Nikotin-Wirkstoff durch die angegriffene Hautpartie ins Blut gelangen. Allein in Deutschland werden inzwischen jährlich mehrere Millionen Nikotinpflaster verkauft, allerdings auch noch rund 145 Milliarden Zigaretten.

Stand: 01.07.2011

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