20. Mai 1921 - Wolfgang Borchert wird geboren

Wolfgang Borchert blickt in die Kamera

Stichtag

20. Mai 1921 - Wolfgang Borchert wird geboren

Zehn Tage vor seinem 24. Geburtstag kommt Wolfgang Borchert im Mai 1945 aus dem Krieg zurück. "Ich sah ihn ankommen in seinen alten Klamotten und am Stock, mit einer alten Brille", wird sich seine Mutter später erinnern: "Ich erkannte ihn kaum wieder." 1947 wird Borchert seine eigenen Erfahrungen in der Figur des heimatlosen Kriegsheimkehrers Beckmann im Drama "Draußen vor der Tür" verarbeiten. "Ein Mann kommt nach Deutschland", heißt es da. "Er war lange weg, der Mann. Sehr lange. Vielleicht zu lange. Und er kommt ganz anders wieder, als er wegging."

Gedichte für die Damen

Geboren wird Borchert am 20. Mai 1921 als einziges Kind eines Volksschullehrers und einer Mundart-Dichterin in Hamburg. Seine Eltern organisieren Treffen mit Avantgarde-Künstlern in ihrer Wohnung, der Sohn wird schnell zum begeisterten Leser. Mit 15 beginnt er, Gedichte zu schreiben, die er schon bald jungen Damen verehrt: Gelegenheitstexte, die nach eigener Aussage wie im Rausch entstehen.
1937 sieht Borchert Gustaf Gründgens in "Hamlet" und will daraufhin Schauspieler werden. Die Eltern hingegen überreden ihn zu einer Buchhändler-Lehre, die er widerwillig antritt. Nebenbei nimmt er Schauspielunterricht.

Zur "Frontbewährung" ohne Waffe

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 ist für den Freigeist Borchert unerträglich: In der HJ hält es ihn nicht lange, den Hitlergruß verweigert er. Abends trifft er sich mit Freunden, um den verbotenen Swing zu hören. 1940 wird er von der Gestapo verhaftet und einen Tag inhaftiert. 1941, kurz nachdem er ein Theaterengagement erhalten hatte, wird er als Soldat einberufen und kommt als Funker an die Ostfront. Als die Gestapo bei Borchert regimekritische Briefe findet, wird er zu verschärfter Haft und anschließender "Frontbewährung" verurteilt: Ohne Waffe muss er an den Kämpfen teilnehmen.

Schreiben im Fieber

Am Ende des Krieges ist Borcherts Leber in Folge der jahrelangen Mangelernährung dermaßen zerstört, dass ihm die Ärzte nur noch eine kurze Lebenszeit vorhersagen. In den folgenden Monaten schreibt der Autor, oft mit hohem Fieber, vor allem Erzählungen. schonungs- und illusionslos, teils aber auch humorvoll beleuchten sie die Kriegs- und Nachkriegszeit. Mit ihrer knappen, stakkatohaften Sprache lassen sie Borchert zum zentralen Vertreter der "Trümmerliteratur" avancieren. Angeblich braucht Borchert für sein Drama "Draußen vor der Tür" nur acht Tage. Eine Adaption als Hörspiel im Februar 1947 kann er nicht hören, weil in seinem Stadtteil der Strom gesperrt ist. Die Uraufführung als Drama in den Hamburger Kammerspielen im selben Jahr erlebt er nicht mehr. Er stirbt einen Tag zuvor in einem Krankenhaus in Basel.

Stand: 20.05.2011

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