11. Januar 2006 - Techno-DJ Mark Spoon tot aufgefunden

DJ Mark Spoon,

Stichtag

11. Januar 2006 - Techno-DJ Mark Spoon tot aufgefunden

Zur Welt kommt er 1966 als Markus Löffel - kein Name für einen Techno-Star. So wird der hünenhafte Frankfurter in den 90er Jahren als Mark Spoon einer der erfolgreichsten deutschen DJs und Dance-Produzenten. Ein Instrument spielt Mark Spoon nicht, selbst als DJ ist er handwerklich ein Grobmotoriker; seine Übergänge sind legendär-berüchtigt. Dafür hat der volltätowierte 130-Kilo-Mann etwas ungleich Wichtigeres zu bieten: Charisma und ein untrügliches Gespür dafür, was die tanzwütigen Massen in den Clubs oder bei der Loveparade hören wollen, mit welchen "Brettern" er seine Fans völlig in den Bann schlagen kann. Als ihm die Veranstalter 10.000 Mark pro Auftritt zahlen, verliert Mark Spoon die Bodenhaftung. Am Ende liegt er mit 39 Jahren tot in seiner Berliner Wohnung.

Mischpult-Hexer mit großer Fresse

Als Sechzehnjähriger hatte Markus Löffel die Schule geschmissen und war als Koch-Lehrling in die Frankfurter Hip-Hop-Szene eingetaucht. Mit Moses Pelham, der Xavier Naidoo zum Star machen wird, sammelt er erste Bühnenerfolge und gründet das Hip-Hop-Projekt "We wear the Crown". Im Dorian Gray, der angesagten Promi-Disco unter dem Frankfurter Flughafen, erlebt Löffel mit, wie der hypnotische Techno-Sound die Dancefloors erobert und DJs wie Sven Väth und Talla2XLC zu guruartigen Hexenmeistern an den Mischpulten aufsteigen. Dank "seiner großen Fresse", so sein langjähriger Manager Matthias Grein, schafft Löffel den Einsteig beim Label "Logic Records", arbeitet am Projekt SNAP! mit und entdeckt den Chartstürmer Dr. Alban.
Anfang der 90er Jahre lernt Markus Löffel, jetzt DJ Mark Spoon, den ausgebildeten Klassikgitarristen Rolf Ellmer kennen. Als Jam & Spoon mixen sie clubtaugliche Hitparadenmusik, die europaweit Furore macht. Mit "Right in the Night" erreicht das Duo sogar in Australien Platz zwei der Charts. Während Ellmer die Producer-Arbeit erledigt, räumt der sprücheklopfende Spoon vor dem Publikum ab. "Wenn der auf der Bühne stand", erinnert sich Ellmer, "sind alle anderen total verblasst. Er stand da oben mit seiner Sonnenbrille und sah aus wie ein Boxpromoter."

Einsames Ende

Mit seinem Geld schmeißt Mark Spoon nur so um sich, alles muss vom Feinsten und Teuersten sein. So durchlebt er die heißen Jahre des Techno in einem ununterbrochenen Luxus-Dauerrausch, angetrieben von Koks, Valium und Wodka. Doch Ende der 90er Jahre ebbt die Techno-Welle ab, das Dorian Gray wird geschlossen und die große Zeit der hochbezahlten  DJ-Diven ist vorbei. Spoon flüchtet sich in einen immer exzessiveren Lebensstil, lässt Auftritte platzen und verdirbt es sich schließlich auch noch mit seinem Manager Matthias Grein: "Seine letzte Platte war für alle Beteiligten eine Qual". Als Markus Löffel sich endlich besinnt und den Absprung schafft von Drogen und Alkohol, ist es bereits zu spät. Am Morgen des 11. Januar 2006 findet ihn seine Freundin tot im Bett. Todesursache: Herzversagen.

Stand: 11.01.2011

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