25. Mai 1961 - Die Ludendorff-Bewegung wird verboten

General Ludendorff

Stichtag

25. Mai 1961 - Die Ludendorff-Bewegung wird verboten

General Erich Ludendorff ist einer der einflussreichsten deutschen Männer im Ersten Weltkrieg. In der Obersten Heeresleitung der zweiten Kriegshälfte trägt zwar Paul von Hindenburg den Titel des Generalfeldmarschalls und Ludendorff ist nur sein Stabschef, aber vor allem Ludendorff zieht die Fäden. Er ist ein Nationalist, der einen Sieg um jeden Preis will und jeden Verhandlungsfrieden ablehnt. Nach der deutschen Niederlage tritt der 53-jährige Ludendorff plötzlich als Mahner vor einem weiteren Weltkrieg auf. Er möchte sobald wie möglich wieder nach oben kommen.


1923 soll es so weit sein: Zusammen mit Adolf Hitler will sich Ludendorff von München aus an die Macht putschen. Er soll als Feldherr den geplanten "Marsch auf Berlin" leiten und später "Reichsdiktator" werden. Nationalismus und völkischer Rassismus stehen Seite an Seite. Während Hitler nach dem gescheiterten Putsch in Festungshaft muss, wird Ludendorff freigesprochen. Er richtet sich nun immer mehr auch völkisch aus. Beeinflusst wird er dabei von Mathilde von Kemnitz, geborene Spieß. Die Pastorentochter aus Wiesbaden ist eine gedankliche Wegbereiterin des Nationalsozialismus und angelt sich den populären, zwölf Jahre älteren Weltkriegsgeneral. Frau von Kemnitz ist ausgebildete Ärztin. Sie behandelt Ludendorffs kranke Frau Margarete und weist sie in eine Klinik ein. Ludendorff lässt sich 1925 scheiden und heiratet im oberbayerischen Tutzing seine "Philosophin".

In rassistischer Konkurrenz zu Hitler

Mathilde Ludendorff verfasst eine große Zahl von Büchern, darunter auch "Triumph des Unsterblichkeitswillens". Sie widmet sich dem "völkischen Kampf" und sieht sich als "Schöpferin Deutscher Gotterkenntnis". Eine Gotterkenntnis, die nach "Rassen" aufgeteilt ist: Für Mathilde Ludendorff gibt es eine angeborene Fähigkeit, Gott zu erkennen, erklärt Bettina Amm, die ihre Doktorarbeit über die Ludendorff-Bewegung geschrieben hat. Mathilde Ludendorff illustriere ihr antisemitisches Konstrukt anhand eines Berghangs: Die von Natur aus oben stehenden Lichtvölker, die Arier, könnten Gott besser erkennen, als die Juden ganz unten im Tal, die zu den sogenannten Schachtvölkern zählten.
1925 wird Erich Ludendorff Schirmherr des neuen völkischen Tannenberg-Bundes. Die Ludendorffs attackieren den Gefreiten Hitler und seine Bewegung massiv - als rassistische Konkurrenz. Aber der Tannenberg-Bund bleibt mit seinen höchstens 15.000 Mitgliedern Hitlers NSDAP stets unterlegen. Als die Nazis 1933 die Macht übernehmen, wird der Tannenberg Bund verboten, nicht aber dessen Verlag und die Zeitschrift "Am heiligen Quell Deutscher Kraft". Hitler lässt Ludendorff halbwegs gewähren, weil er ihn als Galionsfigur der Kaiserzeit propagandistisch nutzen will.

Versöhnung mit Hitler 1937

1935, an seinem 70. Geburtstag, ist Ludendorff vollends beim Blut- und Boden-Denken seiner Mathilde angekommen. Beide lehnen jedes Christentum nun kategorisch ab, viel entschiedener als die eher taktisch auftretenden Nazis. "Da gesellte sich meine Frau an meine Seite, und ich sah, dass der Christenglaube [...] nicht dem Rasse-Erbgut unserer Rasse entspricht", verkündet Ludendorff bei seiner Geburtstagsansprache in Tutzing. Immer mit dabei ist die angebliche Weltverschwörung der "vier überstaatlichen Mächte: Weltjudentum, Weltkommunismus, Weltkatholizismus und Weltfreimaurertum". Nach einem versöhnlichen Gespräch mit Hitler 1937 dürfen die Ludendorffs ihre Lehre wieder als Religionsgemeinschaft organisieren - unter dem Namen "Deutsche Gotterkenntnis". Im selben Jahr stirbt Erich Ludendorff an Krebs und wird mit einem Staatsbegräbnis geehrt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird die umstrittene Gemeinschaft von den Alliierten verboten, und Mathilde Ludendorff als NS-Aktivistin eingestuft. 1951 kommt es unter dem Namen "Bund für Gotterkenntnis (Ludendorff)" zu einer Neugründung, die ihr Hauptquartier in Tutzing hat und etwa 4.000 Mitglieder zählt. Am 25. Mai 1961 wird die Organisation von der Innenministerkonferenz der Länder für verfassungsfeindlich erklärt und verboten. Nach langen Gerichtsverfahren muss sie Mitte der 1970er Jahre aber wieder zugelassen werden - wegen Verfahrensfehlern. Mathilde Ludendorff ist bereits 1966 verstorben. Heute gibt es nach Schätzungen der Verfassungsschutz-Behörden bundesweit noch rund 240 Ludendorffer.

Stand: 25.05.2011

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