08. November 2008 - Vor 90 Jahren: Ende des Ersten Weltkrieges

Stichtag

08. November 2008 - Vor 90 Jahren: Ende des Ersten Weltkrieges

Im Juni 1918 steht der "Lange Max" vor Paris - ein riesiges Geschütz, gegossen bei Krupp in Essen. Für die 120 Kilometer Distanz braucht eine Ladung drei Minuten Flugzeit. Die Deutschen scheinen den Ersten Weltkrieg zu gewinnen. Nach dem Sieg über Russland haben sie alle Kräfte an der Westfront zusammengezogen. Doch die Oberste Heeresleitung unter den Generälen Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff hat nur noch eine Chance: den schnellen Sieg. Denn Deutschlands Kriegswirtschaft steht kurz vor dem Kollaps. Zunächst geht die Offensiv-Taktik auf: An drei Abschnitten können deutsche Truppen die Front durchbrechen und gewinnen bis zu 60 Kilometer Gelände. Doch das reicht nicht. Die Verteidiger haben mehr Nachschub als die Angreifer. Provoziert von deutschen U-Boot-Angriffen sind auch die USA in den Krieg gegen Deutschland eingetreten. Sie haben zwei Millionen Soldaten, Waffen und Verpflegung geschickt. Zudem sind die Deutschen ausgehungert und demoralisiert. Für Deutschland ist der Krieg verloren.

Heimlich räumen Hindenburg und Ludendorff gegenüber den Parteien die drohende Niederlage ein. Da die Besetzung Deutschlands droht, wollen sie einen schnellen Waffenstillstand. Es folgen wochenlange Vorverhandlungen. Dann kommt die deutsche Delegation in Compiègne nördlich von Paris an. Sie wird von Matthias Erzberger von der Zentrumspartei angeführt. Während Erzberger in Compiègne wartet, bricht in Deutschland die Revolution aus. Er weiß nicht, was dort vorgeht. Die Waffenstillstandsverhandlungen beginnen am 8. November 1918. Am 10. November trifft eine Anweisung von Hindenburg aus dem deutschen Hauptquartier in Belgien ein. Erzberger soll auf jeden Fall unterschreiben - anstelle von Hindenburg. Die Unterzeichnung erfolgt am nächsten Tag im Wald von Compiègne im Salonwagen des französischen Marschalls Ferdinand Foch. Die Bedingungen des Waffenstillstands und des anschließenden Versailler Friedensvertrages: Besetzung der linksrheinischen Gebiete durch die Alliierten, Übergabe der schweren Waffen, Auslieferung der Hochseeflotte. Deutschland verliert etwa 14 Prozent seiner Fläche und zehn Prozent seiner Bevölkerung. Trotz hoher Reparationslasten bleibt Deutschland aber eine europäische Großmacht.

Kaum ist die Weimarer Republik gegründet und die Niederlage besiegelt, melden sich die Militärs zurück. Hindenburg vertritt die sogenannte Dolchstoßlegende. Die deutsche Armee sei im Feld unbesiegt geblieben, aber durch linke Propaganda von hinten erdolcht worden. Die Revolutionäre und die Unterzeichner des Waffenstillstandsvertrages werden als "Novemberverbrecher" diffamiert. Erzberger wird 1921 ermordet. Ludendorff versucht 1923 vergeblich einen Putsch - zusammen mit Adolf Hitler. Dieser kommt zehn Jahre später auch wegen seiner Hetze gegen den Versailler Vertrag an die Macht. Hitlers Absicht, das Abkommen von Versailles zu Fall zu bringen, bedeutet Krieg. Nach sechs Wochen ist der Feldzug gegen Frankreich 1940 gewonnen. Hitler setzt bei den Waffenstillstandsverhandlungen auf Revanche - im historischen Eisenbahnwaggon im Wald von Compiègne. Anschließend rollt dieser als Trophäe nach Berlin. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges sprengt ein SS-Kommando den Wagen in die Luft - damit er nicht wieder in die Hände der Alliierten fällt.

Stand: 08.11.08