18. Dezember 1940 - Hitler erlässt Weisung für Russlandfeldzug

Deutsche Panzer beim Vormarsch an der polnisch-sowjetischen Grenze (Aufnahme von 1941)

Stichtag

18. Dezember 1940 - Hitler erlässt Weisung für Russlandfeldzug

Im Sommer 1940 läuft es gut für Adolf Hitler: Die deutsche Wehrmacht hat Frankreich besiegt und die britische Armee bei Dünkirchen zurück gedrängt. Die "Blitzkrieg"-Taktik scheint aufzugehen: Polen, Norwegen, Dänemark, Niederlande, Belgien und Luxemburg wurden schon zuvor erfolgreich besetzt. Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel nennt den "Führer" deshalb den "Größten Feldherrn aller Zeiten". Nun will Hitler die Sowjetunion im Handstreich nehmen. Für ihn sind Slawen "Untermenschen" und der "germanischen Herrenrasse" im Kampf unterlegen.

In der deutschen Bürokratie entsteht ein Versklavungs- und Ausrottungs-Szenario für den sogenannten Ostraum. Parallel dazu sorgt Propagandachef Joseph Goebbels für Beute-Stimmung: "Ich habe weiterhin den Eindruck, dass wir bei der Verteilung der Welt in den vorangegangenen Jahrhunderten als Deutsche zu kurz gekommen sind", sagt er im November 1940 in Prag vor Parteigenossen.

Missachtung des "Hitler-Stalin-Paktes"

Am 18. Dezember 1940 unterschreibt Hitler die geheime "Weisung 21": "Die deutsche Wehrmacht muss darauf vorbereitet sein, auch vor Beendigung des Krieges gegen England Sowjetrussland in einem schnellen Feldzug niederzuwerfen". In der Weisung spricht Hitler vom "Fall Barbarossa". Später erhält die Aktion den Decknamen "Unternehmen Barbarossa" - in Anspielung auf den deutschen Kaiser Friedrich I., der im zwölften Jahrhundert einen Kreuzzug gegen die "Ungläubigen" befehligt hatte. Der Russlandfeldzug beginnt am 22. Juni 1941 - mit der Lüge, die Wehrmacht sei einem russischen Angriff zuvorgekommen und "in den gewaltigen Aufmarsch der feindlichen Kräfte hineingestoßen", wie es in der Wochenschau heißt.

Doch Stalin hat damals keinen Grund, Deutschland anzugreifen. Im Gegenteil: Er liefert Getreide, Erz und Öl. Außerdem verlässt er sich auf den seit August 1939 bestehenden deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrag, den "Hitler-Stalin-Pakt". Hitler hält sich aber nicht an seine Zusage und wagt den Zweifrontenkrieg: Binnen Wochen soll im Osten "germanischer Siedlungsraum" erobert und dabei sollen alle kommunistischen "Kommissare" getötet werden - entsprechend dem "Kommissarbefehl" der Wehrmachtsführung vom Juni 1941.

"Wo der Jude ist, ist der Partisan"

Einsatzgruppen der SS, aber auch die Wehrmacht rotten ganze Dörfer aus, massakrieren Frauen und Kinder. Der Vernichtungskrieg wird mit einem angeblichen Partisanenkrieg begründet. Nur: 1941 gibt es kaum Partisanen. "Erst ab Mitte 1942 kann man davon überhaupt sprechen", sagt der Freiburger Militärhistoriker Wolfram Wette. Aber "Partisanenerschießungen" habe es schon ab Juli 1941 gegeben - gerechtfertigt mit dem Spruch: "Wo der Jude ist, ist der Partisan". Wissenschaftler Wette: "Man hat den jüdischen Zivilisten plötzlich zum Partisanen umdefiniert."

Nach dem deutschen Angriff zeigt sich, dass die vermeintlichen slawischen Untermenschen äußerst zäh kämpfen. Die Rote Armee kann die Wehrmacht in riesigen Kesselschlachten lange aufhalten. Der deutsche Vormarsch läuft nicht wie geplant. Die Landser sind nicht für den einsetzenden russischen Winter ausgerüstet. Eigentlich will Hitler seinen Sieg am 7. November am Kreml in Moskau feiern, dem Jahrestag der Oktober-Revolution. Plakate für das große Feuerwerk sind bereits entworfen. Doch an diesem Tag hält immer noch Stalin eine Militärparade am Roten Platz ab - und ruft seine Genossen zum "Großen Vaterländischen Krieg" auf: "Die ganze Welt schaut euch als die Macht, die fähig ist, die deutschen Räuber-Horden zu zerstören."

Millionen Hungertote eingeplant

Die Sowjetunion erleidet Unvorstellbares. Das Land verliert in diesem Krieg ungefähr drei Mal so viele Menschen wie das Deutsche Reich. Rund 27 Millionen Sowjetbürger werden getötet, über die Hälfte davon sind Rotarmisten, Kriegsgefangene und Juden. Von den anderen 13 Millionen Toten sind vermutlich die meisten Opfer der deutschen Hungerpolitik. Die Besatzer nahmen ihnen die Nahrungsmittel weg - nicht aus Not, sondern wie bereits vor dem Angriff geplant. In einer Aktennotiz über eine Besprechung von Staatssekretären mit Wehrmachtsvertretern am 2. Mai 1941 steht: "Der Krieg ist nur weiter zu führen, wenn die gesamte Wehrmacht (...) aus Russland ernährt wird. Hierbei werden zweifellos zig Millionen Menschen verhungern, wenn von uns das für uns Notwendige aus dem Lande herausgeholt wird."

Die deutschen Planungsstäbe gehen damals von etwa 30 Millionen Toten durch die sogenannte Germanisierung aus. Eine Germanisierung, die durch die Rote Armee verhindert wird. "Die deutschen Aggressoren wollen einen Vernichtungskrieg führen", sagt Stalin Ende 1941. "Nun, wenn die Deutschen den totalen Vernichtungskrieg wollen, dann sollen sie ihn haben." Auch wenn der Krieg im Osten noch über drei Jahre dauert, ist er der Anfang von Hitlers Ende.

Stand: 18.12.2010