1. März 1960 - "Tagesschau" führt die Wetterkarte ein

Eine historische Wetterkarte aus dem Jahr 1960

1. März 1960 - "Tagesschau" führt die Wetterkarte ein

Sie sind über ganz Deutschland verteilt. Sie kennen sich nicht. Und trotzdem gehen rund 2.000 Frauen und Männer jeden Tag bei Wind und Wetter um Punkt sieben Uhr morgens aus dem Haus, befeuchten einen Finger und recken ihn in den Himmel. "Dann merkt man die Windrichtung", sagt Werner Rohlfing. "Wir haben Windstärke 1."

Rohlfing ist einer der ehrenamtlichen Wetterbeobachter, die jeden Tag die Wettersituation an ihrem Standort protokollieren und anschließend dem Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach vermelden: die wohl originellste Quelle für Wetterdaten, die der DWD zusammen mit Informationen von Wetterstationen und Satelliten zu Prognosemodellen verarbeitet.

Diese werden wiederum der ARD-Wetterredaktion in Frankfurt mit anderen Modellen als Basis unter anderem für die Wetterkarte der Nachrichtensendung "Tagesschau" dienen. Am 1. März 1960 ist sie erstmals dort zu sehen.

Die Erste Wetterkarte in der Tagesschau (am 01.03.1960)

WDR 2 Stichtag 01.03.2020 04:16 Min. Verfügbar bis 27.02.2030 WDR 2

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Live gemalte Hochs und Tiefs

Die ARD-Wetterkarte ist nicht die erste im deutschen Fernsehen. Schon der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) bringt seine Prognosen ab November 1951 auf diese Weise unters Volk. Kommentiert werden die Hochs und Tiefs über Deutschland live.

Die Papierkarte wird vor laufender Kamera handbemalt – auch dann noch, als der Norddeutsche Rundfunk (NDR) übernimmt. Mit dabei: die Puppen Sehbastian und Sehbienchen, die je nach Wetterlage Schirm oder Jacke tragen.

1960 dann geht die Wetterhoheit vom NDR auf den Hessischen Rundfunk (HR) über. Der produziert die Wettervorhersage als einminütigen Zeichentrickfilm für den Abschluss der "Tagesschau". Dabei erklingt in deutschen Wohnstuben die Buchstabenfolge "QAM" als Morsecode. Übersetzt: "Wie wird das Wetter".

Grafik als Politikum

Die Umstellung auf die vergleichsweise frostige Berichterstattung will mancher Zuschauer nicht hinnehmen: "Seitdem regnet es viel öfter", beklagt sich jemand in einem Beschwerdebrief. Die Landeshauptstädte Düsseldorf und Wiesbaden laufen Sturm, weil auf der neuen Karte nur Köln und Frankfurt zu sehen sind.

Bis 1976 ist Deutschland zudem in den Grenzen von 1937 zu sehen. Trotzdem hält sich der grafische Wetterfilm im Fernsehen recht lange – bis mit Wetter-Erzählern wie Jörg Kachelmann Anfang der 90er Jahre der "Wetterfrosch" wieder ein Gesicht bekommt und der nun vor einer computeranimierten Wetterkarte agiert.

Seit 2020 besitzt die ARD ein "Wetterkompetenzzentrum", das für jeden Werktag knapp 40 Wetterberichte für das erste und die dritten Programme liefert.

Programmtipps:

Auf WDR 2 können Sie den Stichtag immer gegen 9.40 Uhr hören. Wiederholung: von Montag bis Samstag um 18.40 Uhr. Der Stichtag ist nach der Ausstrahlung als Podcast abrufbar.

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 1. März 2020 ebenfalls an die Einführung der Wetterkarte in der "Tagesschau". Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

Stichtag am 02.03.2020: Vor 95 Jahren: Gründung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn

Stand: 01.03.2020, 00:00