14. März 1977 - Weltwasserkonferenz in Mar del Plata

Frauen in Kenia mit Kanistern an Wasser-Tankwagen / 2013

14. März 1977 - Weltwasserkonferenz in Mar del Plata

Pro Kopf verbrauchen die Deutschen jeden Tag im Durchschnitt 120 Liter Wasser. In reichen Industriestaaten steht es (noch) unbegrenzt in garantierter Qualität jederzeit zu Verfügung. Ein Großteil der Erdbevölkerung aber muss seit je her ohne Zugang zu ausreichendem und sauberem Trinkwasser leben - und der Anteil wächst. Längst gibt es mehr Umwelt- als Kriegsflüchtlinge.

Bereits in den 1970er Jahren warnen Wissenschaftler eindringlich vor einem ökologischen und ökonomischen Kollaps der Wasserversorgung: "Obwohl sehr wahrscheinlich genug Wasser vorhanden ist, um auch den zukünftigen Bedarf zu decken, wird dies tendenziell zur falschen Zeit, am falschen Ort oder in der falschen Qualität verfügbar sein."

Meilenstein zu gerechterer Wasserverteilung

"Ein Lebenselement wird knapp" - unter diesem Motto eröffnen die Vereinten Nationen am 14. März 1977 eine globale Wasserkonferenz im argentinischen Mar del Plata. Es ist der erste Schritt der Uno, sich "systematisch und umfassend mit der vielschichtigen Problematik der Wasserversorgung zu beschäftigen". Ihr Ziel, "möglichst bis 1990 genug Wasser in ausreichender Qualität für städtische und ländliche Gebiete zu garantieren", verfehlt die Konferenz aber bei weitem.

Zehn Jahre später werden alarmierende, unerwartete Wasser-Notstände in einzelnen Erdregionen registriert. Der Freiburger Hydrologie-Professor Markus Weiler beurteilt die Ergebnisse von Mar del Plata dennoch als Meilenstein: "Erstmals überhaupt wurde die gesamte Komplexität aller Bereiche, die mit der Ressource Wasser zusammenhängen, erfasst."

Entlarvender virtueller Fußabdruck

Die Auswertung der Wechselwirkungen von Geographie und Politik, Klima, Population und Wirtschaft auf den globalen Wasserbedarf führt zu einer neuen Maßeinheit: Der "virtuelle Wasserfußabdruck" verdeutlicht nun, wie viel Wasser aus Mangelregionen an die wasserreichen Bevölkerungen der Industrieländer abfließt. So verbraucht allein die Herstellung eines T-Shirts bis zu 4.000 Liter, die einer Jeans rund 8.000 Liter. Selbst in nur 100 Gramm Schokolade stecken über 1.700 Liter Wasser.

Rechnet man mit dem virtuellen Fußabdruck, steigt der Durchschnittsverbrauch in Deutschland von 120 Litern auf rund 5.000 Liter Wasser pro Kopf und Tag. Mit mehr als einem Viertel schlägt allein der Hunger der Deutschen auf Fleisch zu Buche. Insgesamt 15.400 Liter Wasser werden für die Produktion von nur einem Kilogramm Rindfleisch aufgewendet.

Bis 2050 durstet die halbe Welt

Trotz aller seit 1977 eingeleiteten Maßnahmen ist es der Weltgemeinschaft nicht gelungen, das Wasser auf der Erde gerecht zu verteilen. Der damalige Befund gilt mehr denn je: "Durch immer schnelleres Bevölkerungswachstum steigt der Bedarf der  Haushalte sowie für landwirtschaftliche und industrielle Zwecke und erhöht damit die Belastung des Planeten für diese nur begrenzt verfügbare, kostbare natürliche Ressource."

Wasser-Experten wie der Münchener Geograf Wolfram Mauser schätzen, dass bis zum Jahr 2050  fast die Hälfte der Weltbevölkerung unter Wassermangel zu leiden hat. Kriege um sauberes Wasser werden immer wahrscheinlicher. "Als Wissenschaftler", so Professor Mauser, "weigere ich mich aber zu sagen: Der Konsument, der die Gesamtzusammenhänge nicht durchschaut, ist der Verantwortliche." Vielmehr müsse die Politik deutlich an ihre Verpflichtung zum Handeln erinnert werden.

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Stand: 14.03.2017, 00:00