20. Dezember 1917 - Gründung der russischen Geheimpolizei Tscheka

Felix Dserschinski, Chef der russischen Geheimpolizei Tscheka

20. Dezember 1917 - Gründung der russischen Geheimpolizei Tscheka

Herbst 1917 in Russland: Die Bolschewiki entscheiden nach langer Debatte, nicht an den Wahlen teilzunehmen, sondern die Macht gewaltsam zu ergreifen. Der Panzerkreuzer Aurora feuert einen Schuss ab - das Signal für die Rotgardisten, den Sitz der Übergangsregierung in Sankt Petersburg zu stürmen. Diese war seit dem Sturz des Zaren im Amt.

Doch die sozialistische Revolution ist noch nicht vorbei: "Wir befinden uns im Krieg, und zwar an der grausamsten aller Fronten, denn der Feind ist maskiert und auf dem Vormarsch", sagt Felix Edmundowitsch Dserschinski, ein Revolutionär aus Polen. "Meine Forderung zielt auf die Bildung eines Organs, das auf revolutionäre und unverkennbar bolschewistische Weise mit den Konterrevolutionären abrechnet."

Gründung der sowjetischen Geheimpolizei Tscheka (am 20.12.1917)

WDR 2 Stichtag 20.12.2017 04:04 Min. Verfügbar bis 18.12.2027 WDR 2

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"Zur Bekämpfung der Konterrevolution"

Revolutionsführer Lenin gefällt Dserschinskis Idee. Am 20. Dezember 1917 wird das neue Organ, die sogenannte Tscheka gegründet - per Beschluss des Rates der Volkskommissare. Tscheka steht für "Außerordentliche Allrussische Kommission zur Bekämpfung der Konterrevolution, Spekulation und Sabotage". Deren Auftrag lautet: "Feindliche Agenten, Spekulanten, Plünderer, Rowdys, konterrevolutionäre Agitatoren und deutsche Spione sind am Tatort zu erschießen."

"Viele Wissenschaftler meinen, dass die Tscheka in erheblichem Maße eine Kopie der Ochana gewesen ist, der zaristischen Geheimpolizei, nur unvergleichlich viel schrecklicher", sagt der Historiker und Stalinismusforscher Richard Buchner.

Verklärt und gefeiert

Im September 1918 kommt der Rat der Volkskommissare überein, "dass es unmittelbar notwendig ist, die Sicherheit im Hinterland mittels Terror zu gewährleisten". Es sei notwendig, "die Sowjetrepublik von Klassenfeinden zu befreien, weshalb diese in Konzentrationslager zu isolieren sind". Alle Personen, die zu "Verschwörungen und Aufständen" in Beziehung stehen, seien zu erschießen.

Mehrere tausend Menschen werden Opfer der Tscheka. Später wird die russische Geheimpolizei verklärt und gefeiert - in Romanen, Hörspielen und Filmen. Das Wachregiment des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR wird nach Felix Dserschinski benannt. Stasi-Chef Erich Mielke sieht sich bis zuletzt als Tschekist.

Vorläufer von GPU und NKWD

Offiziell wird die Tscheka 1922 aufgelöst und ihr Archiv auf Anweisung Lenins vernichtet. Auf die Tscheka folgt die "Staatliche Politische Verwaltung" (GPU), die 1934 vom "Volkskommissariat für innere Angelegenheiten" (NKWD) abgelöst wird. Es wird zum Synonym für den stalinistschen Terror.

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Stand: 20.12.2017, 00:00