23. Juni 1868 – Patent auf die erste brauchbare Schreibmaschine

Schreibmaschine von Sholes, ca. 1872

23. Juni 1868 – Patent auf die erste brauchbare Schreibmaschine

Wann genau die erste Schreibmaschine erfunden wird, ist nicht genau festzumachen. Das erste Patent auf eine "künstliche Maschine oder Methode, Buchstaben zu drucken", erfolgt jedoch bereits 1714 am englischen Hof. Die Buchstaben seien "nicht von gedruckten Buchstaben zu unterscheiden", heißt es im Bewerbungsschreiben. Allerdings setzt sich die Maschine nicht durch. Und niemand weiß, wie sie funktioniert hat.

Im ausgehenden 18. Jahrhundert erfindet Giuseppe Ravizza ein "Schreib-Cembalo" für Blinde mit zweireihiger Tastatur in alphabetischer Reihenfolge. Auch diese Maschine hakt. "Angesichts dieser armen Schreibmaschine, der ich nun die Hauptsorge meines Lebens gewidmet habe", schreibt der Tüftler, "beginne ich zu verzweifeln."

Patent für Schreibmaschine (am 23.06.1868)

WDR 2 Stichtag 23.06.2018 04:16 Min. Verfügbar bis 20.06.2028 WDR 2


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Die Geschichte der modernen Schreibmaschine beginnt wohl in Österreich mit Peter Mitterhofer. 1822 in Partschins geboren, baut der Zimmermann aus Holz Apparaturen mit eingeschwärzten Lettern, die mittels Druck auf ein über eine Walze gezogenes Blatt gedrückt werden können. Bis zum Kaiser nach Wien reist Mitterhofer, um sein Wunderwerk zu präsentieren – aber eine kaiserliche Kommission urteilt, dass der Apparat "zu dem Zweck, den der Erfinder im Auge hat, nicht geeignet" sei. Mitterhofer stirbt 1893 bitterarm in seinem Geburtsort.

Das Patent auf die erste brauchbare Schreibmaschine erhalten Christopher Latham Sholes und Carlos Glidden am 23. Juni 1868 in den USA: Mark Twain wird einer ihrer größten Fans. Ihr Apparat aus Metall ähnelt den hölzernen Entwicklungen von Mitterhofer stark, aber eine Beeinflussung ist nicht nachweisbar. Revolutionär am "Typewriter" ist jedenfalls die Art und Weise, wie die Buchstaben auf der Tastatur angeordnet sind – nämlich so, dass häufig verwendete Buchstaben möglichst weit voneinander entfernt sind, damit sich die Typen der Maschine beim schnellen Schreiben nicht verhaken. Noch für die Computertastatur wird diese Reihenfolge übernommen.

Die gefährdete Maschinenschreiberin

Vor allem durch die Fabrikate der Firma Remington, die auch Gewehre und Pistolen für den amerikanischen Bürgerkrieg herstellt, verbreitet sich die Schreibmaschine rasant in den Büros. Plötzlich wird der männliche Kopist durch weibliche Maschinenschreiber ersetzt, die von Anfang an blind schreiben können. Da die Frauen eine spezielle Ausbildung durchlaufen müssen, bietet Remington ausgebildete Kräfte, die eigenstellt werden können, beim Kauf mit an. Den Siegeszug der Schreibmaschine – und den der Frau im Berufsleben – treibt dies voran.

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Stand: 23.06.2018, 00:00