13. August 1920 - Beginn der Schlacht bei Warschau

Polinische Soldaten wahrscheinlich 1920

13. August 1920 - Beginn der Schlacht bei Warschau

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs gibt es erstmals wieder einen polnischen Staat. Doch in weiten Teilen der Republik herrscht nach rund 120 Jahren Fremdbestimmung noch Chaos: Institutionen fehlen und die Grenzverläufe sind umstritten. Diese diffuse Lage wollen sowohl Polen als auch Russland zu Landgewinnen nutzen.

Als die Rote Armee 1919 Wilna besetzt, gehen die Polen zum Gegenangriff über. "Es entwickelt sich hier ein Krieg, wo man gar nicht genau sagen kann, wer denn eigentlich angefangen hat", erklärt Stephan Lehnstaedt, Historiker am Berliner Touro-College die Anfänge des Polnisch-Russischen Krieges.

Die Schlacht um Warschau beginnt (am 13.08.1920)

WDR 2 Stichtag 13.08.2020 04:13 Min. Verfügbar bis 11.08.2030 WDR 2

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Polnisch-Russischer Krieg

Klar ist nur: Die Russen wollen nach Westen, die Polen nach Osten expandieren. Jozef Pilsudski, der Oberkommandierende der polnischen Streitkräfte und einer der umstrittensten Figuren der jüngeren polnischen Geschichte, strebt eine Neuauflage der alten Großmacht Polen-Litauen an, zu der ebenso weite Teile Weißrusslands und der Ukraine gehören sollen.

Doch der Traum von der Wiederauferstehung des polnisch-litauischen Großreiches findet bei den Nachbarn weniger Unterstützung. "Die Ukrainer waren viel mehr kriegsmüde als die Polen und wollten nicht unbedingt so erbittert gegen die Sowjets kämpfen", sagt Pawel Kosinski, Historiker am Institut für Nationales Gedenken in Warschau.

Rote Armee zieht siegessicher gen Warschau

Die Russen wiederum träumen davon, die Revolution über ein geschlagenes Polen hinweg in die Welt hinaus zu tragen und ziehen Richtung Westen. Eine von den Sowjets zusammengesetzte kommunistische Regierung wartet im Sommer 1920 bereits in der Nähe von Warschau, um nach der Eroberung der Stadt die polnische Räterepublik auszurufen.

Am 13. August 1920 beginnt die Schlacht um die Hauptstadt. Den sicheren Sieg über eine nach dem Verlust von Kiew und weiterer Niederlagen scheinbar demoralisierte polnische Armee vor Augen, begehen die russischen Befehlshaber taktische Fehler.

Erfolgreiche Gegenoffensive

Diese nutzt Pilsudski zur Gegenoffensive: Mit der polnischen Reiterarmee fällt er den Feinden in den Rücken. Der Angriff ist erfolgreich, die Rote Armee zieht sich nach nur sieben Tagen fluchtartig zurück. Die Schlacht bei Warschau wird zum Wendepunkt des Kriegs und gilt als eine der schwersten Niederlagen von Josef Stalin.

In Polen wird der Sieg als "Wunder von der Weichsel" gefeiert. Der Friedensvertrag von Riga beendet im März 1921 den Polnisch-Russischen Krieg.

Zwanzig Jahre später werden im Zweiten Weltkrieg beim Massaker von Katyn tausende polnische Offizieren von den Sowjets erschossen. Auch das gilt als Folge der Niederlage der Roten Armee vor Warschau.

Programmtipps:

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"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 13. August 2020 ebenfalls an die Schlacht um Warschau. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

Stichtag am 14.08.2020: Vor 980 Jahren: Mcbeth tötet den schottischen König Ducan I.

Stand: 13.08.2020, 00:00