30. Dezember 2011 – Samoa wechselt die Datumsgrenze

Der Two Dollar Beach in Pago Pago auf der Insel Tutuila in Amerikanisch-Samoa.

30. Dezember 2011 – Samoa wechselt die Datumsgrenze

Wer um die Erde reist, kann einen ganzen Tag gewinnen. Oder auch verlieren. Wohl niemand hat dies eindringlicher geschildert als Jules Verne. In seinem Roman "In 80 Tagen um die Welt" (1873) geht es um die Wette eines englischen Gentleman-Globetrotters namens Phileas Fogg, den Erdball in einer bestimmten Zeitspanne umrunden zu können.

Als Fogg nach London zurückkommt, glaubt er seine Wette verloren zu haben. Aber sein getreuer Diener und Reisebegleiter klärt ihn auf: "Sie haben sich um einen Tag geirrt, wir sind 24 Stunden zu früh angekommen."

Das Thema lässt Verne nicht mehr los. "Es ist offensichtlich, dass sich das Problem des verlorenen oder gewonnenen Tages, je nach der eingeschlagenen Richtung, und damit auch die Datumsänderung, an irgendeinem Punkt des Globus ereignen muss", vermerkt der Autor in einer Rede vor der Französischen Gesellschaft für Geographie kurz nach Erscheinen des Romans. "Aber an welchem? Das ist die Frage, die es zu lösen gilt."

Der Zeitenwechsel

Eine Antwort folgt gut zehn Jahre später - immerhin ist sie vor allem auch für die Schifffahrt von zentraler Bedeutung.  Auf einer Konferenz in Washington wird der Längengrad durch Greenwich als Nullmeridian festgelegt.

Fortan gilt er bei der Bestimmung der Zeitzonen als Bezugspunkt. Wer nach Westen reist, gewinnt, wer nach Osten reist, verliert entsprechend Zeit. Auf der anderen Seite der Welt treffen die Zeitzonen mit 24 Stunden Unterschied aufeinander: Gestern trifft auf Heute. Kein Problem für einen Großteil der Erde. Für Samoa schon.

Die USA datieren Samoa um

Rund 200.000 Menschen leben auf der abgelegenen Inselgruppe im Südpazifik, die in der Nähe von Neuseeland und Australien liegt. Auf der Meridiankonferenz von 1884 wird sie noch der westlichen Datumsgrenze zugeschlagen.

Aber das Gebiet ist zwischen Deutschen, Briten und Amerikanern heiß umkämpft. Als letztere obsiegen, bestimmen sie 1892, dass die Inselgruppe zur östlichen Zone gehören solle. Damit haben die Samoaner stets ein anderes Datum als das in Australien und Neuseeland. Für die gemeinsamen Geschäfte ein ziemliches Manko.

 Zwei Mal Silvester feiern

1962 wird der westliche Teil von Samoa unabhängig. Aber es dauert noch bis zum 30. Dezember 2011, bis der Inselstaat wieder die Seiten wechselt. Aus Sicht des australischen Unternehmensberaters Peter Kaye ein längst überfälliger Schritt: "Mit anderen Inselstaaten gab es da keine Probleme. Deshalb wurden die Samoaner von vielen Betrieben einfach ignoriert."

Allerdings bleibt das nur 70 Kilometer entfernte Amerikanisch-Samoa als Außengebiet der USA auf der östlichen Seite der Datumsgrenze. Zum Jahreswechsel ist das für Reiseveranstalter eine feste Bank. Partyhungrige Touristen nutzen die Gelegenheit, um mit einem Kurztrip von Ost nach West zwei Mal Silvester zu feiern.

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Stichtag am 31.12.2016: Vor 475 Jahren: Entstehung des Wortes "Teutscher Michel"

Stand: 30.12.2016, 00:00