7. Juli 2006 - Todestag von Rudi Carrell

Rudi Carrell hinter Preisen "Am laufenden Band"

7. Juli 2006 - Todestag von Rudi Carrell

Für Jochen Busse gehört Rudi Carrell zu den phantastischen Vier der deutschen Unterhaltungsindustrie. "Die Frankenfeld-Shows, die Kulenkampff-Shows, Rudis Shows und dann eben Thomas Gottschalk. Das sind unsere Heroen", sagt der Kabarettist, der ab Mitte der 1990er Jahre die von Carrell produzierte Comedy-Sendung "7 Tage, 7 Köpfe" moderierte. "Da kommt so schnell niemand dran."

Carrells Erfolg ist hart erarbeitet. Bis zur Perfektion treibt der notorische Kettenraucher seine Gags – und seine Mitarbeiter, bei denen die cholerischen Anfälle Carrells gefürchtet sind. Seine Familie vernachlässigt der Holländer dabei weitgehend. So schafft er es, mit Shows wie "Am laufenden Band", "Lass dich überraschen" und "Herzblatt", aber auch mit der Satire-Sendung "Rudis Tagesshow" über vier Jahrzehnte einer der beliebtesten Entertainer im deutschen Fernsehen zu sein.

Verantwortlich für einen Staats-Skandal

Geboren wird Carrell 1934 als Rudolf Wijbrand Kesselaar im niederländischen Alkmaar. Seinen ersten Auftritt auf der Bühne hat er mit 14 Jahren. In den 1950er Jahren gründet er in Holland eine Kabaretttruppe und tritt auch erfolgreich im Radio auf, 1960 wird er mit einem Auftritt beim Grand Prix d’Eurovision de la Chanson auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt. 1964 gewinnt Carrell mit "De Robinson Crusoë Show" die Silberne Rose von Montreux. Dadurch wird Mike Leckebusch von Radio Bremen auf ihn augfmerksam. Der Weg nach Deutschland ist gebahnt. 1973 startet Carrell mit "Am laufenden Band" seine große Karriere als Showmaster im deutschen Fernsehen. Sechs Jahre lang läuft die von Alfred Biolek produzierte Sendung samstags zur besten Sendezeit in der ARD.

1981 landet Carrell mit "Rudis Tagesshow" und einem Team rund um Dieter Krebs und Beatrice Richter einen weiteren Quotenerfolg. Zu den von Carrell als "Nachrichtensprecher" verlesenen Meldungen gehört 1987 auch die, dass dem iranischen Staatsoberhaupt Ajatollah Chomeini anlässlich des 8. Jahrestags der iranischen Revolution vom weiblichen Publikum während einer Rede Damenunterwäsche zugeworfen worden sei. Als Folge schließt die iranische Regierung das Goethe-Institut in Teheran und streicht die Flüge nach Deutschland.

"Herzlichen Dank. Alles Gute"

"Rudis größte Angst war, während eines großen Anlasses zu sterben. Da sagte er immer: 'Das ist das Schlimmste, was passieren kann'", wird sich Jochen Busse später erinnern. "Und was passiert ihm? Während der Fußballweltmeisterschaft!" Deswegen habe Carrell laut Busse dafür gesorgt, dass sein Tod erst drei Tage später bekanntgegeben sei. Carrell stirbt am 7. Juli 2006 in Bremen an Lungenkrebs.

Fünf Monate zuvor nimmt er, bereist schwer gezeichnet, die Goldene Kamera für sein Lebenswerk entgegen. Bei seiner Rede dankt er mit dem für ihn typischen Humor dem Klinikum Bremen-Ost und der deutschen Pharma-Industrie. Und er tritt ab mit einer großen Geste, mit der er in Erinnerung bleiben will: "Es war eine Ehre, in diesem Land und vor diesem Publikum Fernsehen machen zu dürfen. Für alles herzlichen Dank. Alles Gute."

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