15. Februar 1987: "Rudis Tagesshow" löst im Iran Proteste aus

Stichtag

15. Februar 1987: "Rudis Tagesshow" löst im Iran Proteste aus

Im Iran gehen die Massen auf die Straße. Zwei deutsche Diplomaten werden des Landes verwiesen, das Goethe-Institut muss schließen. Der Flugverkehr nach Frankfurt wird eingestellt. Öffentlich wirft Irans Premierminister dem deutschen Fernsehen Beleidigung des "Heiligen" und damit aller Iraner vor. Grund ist ein schlüpfriger Witz über den geistlichen Führer Ayatollah Khomeini in der Nachrichten-Persiflage "Rudis Tagesshow". Deren "Nachrichtensprecher" Rudi Carrell erhält Morddrohungen und versteht die Welt nicht mehr. "1987 wurde ich, der in der Tagesshow nur versuchte, witzige Nachrichten zu bringen, selbst zur Nachricht", wird der holländische Entertainer später sagen. "Ein in unseren Augen harmloser Gag von fünf Sekunden erschütterte die islamische Welt."

Stein des Anstoßes ist ein kurzer Film, der Khomeini zunächst vor einer jubelnden Menschenmenge zeigt. Im nächsten Bild sind Hände zu sehen, die in Damenunterwäsche wühlen. Danach erweckt der Film den Anschein, die Dessous würden dem schiitischen Geistlichen zu Füßen geworfen. Das höchste spirituelle Oberhaupt des Iran wird auf eine Stufe mit Pop-Stars gestellt, dem Groupies ihre Slips anbieten. Der Sendetermin am 15. Februar 1987 fällt in die Woche des achten Jahrestages der Islamischen Revolution, bei der das Regime des Schahs gestürzt und gegen eine religiös legitimierte Republik ausgetauscht worden war. Dass diese beiden Termine zusammenfielen, mag die Reaktionen noch verschärft haben. Carrell sah eine andere Ursache: "Die iranische Regierung wollte unbedingt Waffen haben von der deutschen Regierung. Und sie suchten irgendein Druckmittel. Und da haben sie irgendwas gefunden. Etwas Absurdes, wenn man heute darüber nachdenkt."

Damals sorgt die Szene aus "Rudis Tagesshow" auch im bundesdeutschen Bundestag für hitzige Debatten. Der grüne Politiker Otto Schily etwa konnte nicht verstehen, "inwiefern eigentlich etwas Damenunterwäsche nun so etwas Weltbewegendes sein soll". Im Iran würden die Menschenrechte mit Füßen getreten. "Aber wenn ein so genannter Religionsführer mit Damenunterwäsche in Verbindung gebracht wird, dann soll die Welt untergehen." Der WDR als produzierender Sender entschuldigte sich trotzdem beim iranischen Volk, ebenso wie Carrell. "Meine Aufgabe ist nicht, Leute zu ärgern", sagte er zudem im Interview. "Ich werde dafür bezahlt, dass Menschen Spaß haben. Also bedauere ich es einfach, dass hier eine Gruppe von Menschen beleidigt ist." Für den Moment waren die Wogen geglättet.

Stand: 15.02.07