14. Juli 1994 - Todestag des Journalisten Robert Jungk

Robert Jungk, 1978

14. Juli 1994 - Todestag des Journalisten Robert Jungk

Robert Jungk ist ein Sonntagskind, dem nichts passieren kann. So jedenfalls sieht es seine jüdische Mutter. Dabei erlebt der spätere Journalist in seiner Kindheit und Jugend im Berlin der 1920er Jahre die sozialen Umbrüche, wirtschaftlichen Krisen und politischen Verfolgungen Andersdenkender hautnah mit. Aber die Mutter soll Recht behalten. Trotz Holocausts.

"Bei mir standen alle Chancen dafür, dass ich nicht überlebte", wird Jungk später resümieren. "Meine Eltern haben nicht überlebt, die Eltern meiner Frau haben nicht überlebt. Die meisten meiner Freunde haben nicht überlebt. Ich habe überlebt."

Robert Jungk, Zukunftsforscher (Todestag 14.07.1994)

WDR 2 Stichtag 14.07.2019 04:16 Min. Verfügbar bis 11.07.2029 WDR 2

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Der nicht gehörte Mahner

Geboren wird Jungk 1913 in Berlin. Als Jugendlicher sympathisiert er mit den Kommunisten, um sich auf dem Laufenden zu halten, kauft er bisweilen 15 Zeitungen am Tag. Angeregt wird er durch den mit der Familie befreundeten "rasenden Reporter" Egon Erwin Kisch. Am Tag des Reichstagsbrands 1933 wird er verhaftet, weil er das Titelblatt des "Völkischen Beobachters" vom Schwarzen Brett an der Universität entfernt.

Nach seiner Freilassung geht Jungk nach Paris, wo er für mehrere Pressedienste arbeitet. 1936 kehrt er nach Deutschland zurück und arbeitet im Untergrund. Als das zu brisant wird, flieht er über die Tschechoslowakei in die Schweiz. Schon 1942 versucht er, die Existenz deutscher Konzentrationslager publik zu machen. Aber man glaubt ihm nicht.

Inspirationsquelle für Dürrenmatts "Physiker"

1945 geht Jungk als Korrespondent der Schweizer "Weltwoche" in die USA. Eher durch Zufall wird er im Kapitol Ohrenzeuge eines Gesprächs zwischen Militärs und Ingenieuren über die weitere Nutzung der Atomtechnologie - und beschließt daraufhin, über den Zusammenhang von politischer Macht und Forschung zu schreiben. Ergebnis sind die Bücher "Die Zukunft hat schon begonnen" (1952) und der Bestseller "Heller als tausend Sonnen" (1956). Letzterer inspiriert Friedrich Dürrenmatt zu seinem Stück "Die Physiker" (1961).  

Mit seinen Publikationen avanciert Jungk zu den Pionieren des deutschsprachigen Wissenschaftsjournalismus und der Zukunftsforschung. Er schreibt gegen Atomkraft und für Umweltschutz, sanfte Technologien und individuelles Engagement: "Wer kann den Dritten Weltkrieg verhindern? Du kannst ihn verhindern!" steht auf einem Flugblatt, das er beim Ostermarsch 1960 verteilt. 1992 lässt er sich als Präsidentschaftskandidat der österreichischen Grünen nominieren und ruiniert im Wahlkampf seine Gesundheit. Robert Jungk stirbt am 14. Juli 1994 in Salzburg an den Folgen eines Schlaganfalls.

Programmtipps:

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"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 9. Juli 2019 ebenfalls an Robert Jungk. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

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Stand: 14.07.2019, 00:00