21. Mai 1991 - Rajiv Gandhi wird ermordet

Rajiv Gandhi, 1986

21. Mai 1991 - Rajiv Gandhi wird ermordet

Südindien, Bundesstaat Tamil Nadu, gegen 22.00 Uhr: Rajiv Gandhi will in Sriperumbudur, etwa 50 Kilometer von der Metropole Madras entfernt, eine Wahlkampfrede halten. Am Rednerpodest werden dem Chef der Kongresspartei wie üblich Schals und Blumen übergeben. "Plötzlich gab es eine Art Explosion", sagt sein Pressesprecher später. "Ich blickte auf und konnte erkennen, wie Menschen wie in Zeitlupe in die Luft geschleudert wurden und wieder zu Boden fielen."

Unter den Todesopfern ist auch Gandhi, der von 1984 bis 1989 Premierminister von Indien war. Er war das Ziel der Bombe einer tamilischen Attentäterin. Der Anschlag der sogenannten Tamil-Tigers steht im Zusammenhang mit Gandhis außenpolitischem Zickzack-Kurs während seiner Regierungszeit. "Rajiv Gandhi hatte ja zunächst einmal die Tamil-Rebellen in Sri Lanka unterstützt", sagt Professor Dietmar Rothermund, Südasien-Historiker an der Universität Heidelberg. Für die Rebellen habe er Nahrungsmittel und Waffen von Flugzeugen abwerfen lassen. Doch dann wechselt Gandhi die Seite und versetzte fast 5.000 indische Soldaten an die Seite der Regierung des Inselstaats Sri Lanka, das frühere Ceylon, direkt vor der Südindischen Küste gelegen. Die indische Besatzung im Norden der Insel bringt jedoch keinen Sieg über die Rebellen.

Ghandis gegen Gewalt

1989 wird Gandhi abgewählt. Auch Sri Lanka hat inzwischen ein neues Staatsoberhaupt und die indische Armee wird abgezogen. Doch zwei Jahre später befürchten die Tamil-Rebellen einen erneuten Wahlsieg Gandhis - und damit einen erneuten Einmarsch der indischen Armee. Das Attentat beendet alle Spekulationen. Indien erlebt ein Déjà-vu. Nur sieben Jahre nach dem Mord an Indira Gandhi, die fast 16 Jahre lang indische Premierministerin war, stirbt mit ihrem Sohn ein weiteres Mitglied aus dem bekannten Nehru-Gandhi-Clan durch Gewalt.

Der Name Gandhi hat in Indien große Wirkung. Das ist Mahatma Gandhi zu verdanken, der gewaltlos für die Unabhängigkeit Indiens von Großbritannien kämpfte. Allerdings gibt es keine Verwandtschaft zwischen ihm und der Politikerfamilie. "Gandhi heißt Parfümhändler", sagt Historiker Rothermund. "Der Name kommt daher in Indien durchaus öfter vor." Tatsächlich war aber Rajiv Gandhis Großvater, Jawaharlal Nehru, ein enger Vertrauter des Mahatma. Und Indira, seine einzige Tochter, heiratete einen Mann namens Feroze Gandhi.

Als Pilot bei Indian Airlines gearbeitet

Als 1984 Indira Gandhi unerwartet von ihren Sikh-Leibwächtern ermordet wird, setzt die Kongresspartei auf die Wirkung des Namens Gandhi. Als der am 20. August 1944 in Bombay geborene Rajiv die Nachfolge seiner Mutter antritt, ist er ein politischer Neuling. Zuvor hat er als Pilot bei Indian Airlines gearbeitet. Als Premierminister weckt er zunächst internationale Hoffnungen, dass Indien aus der Atomforschung aussteigt. Doch den Atomwaffensperrvertrag hat Indien bis heute nicht unterzeichnet. Innenpolitisch reformiert er die Wirtschaft und setzt auf die Entwicklung von Computer-Software. Das Bevölkerungswachstum seines Landes will er durch Bildung und Karrierechancen von Frauen eindämmen.

1989 stürzt Rajiv Gandhi über einen Schmiergeld-Skandal. Ein Milliarden-Deal mit dem schwedischen Rüstungskonzern Bofors war nach Recherchen schwedischer Journalisten mit 40 Millionen Dollar Schmiergeld verbunden. "Das Ganze war vor seiner Amtszeit und man weiß bis heute nicht, wer in den Genuss der Schmiergelder gekommen ist. Die Familie Gandhi? Oder die Kongresspartei?", sagt Historiker Rothermund. Rajiv Gandhi wird abgewählt, weil der Verdacht einer persönlichen Verwicklung aufkommt.

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"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.05 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 21. Mai 2016 ebenfalls an die Ermordung von Rajiv Gandhi. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

Stand: 21.05.2016, 00:00