12. Mai 1971 - Radioteleskop Effelsberg wird eingeweiht

Radioteleskop Effelsberg

12. Mai 1971 - Radioteleskop Effelsberg wird eingeweiht

Der Blick in die unendlichen Weiten des Weltalls führt über die Eifel. Auf der Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ragt zwischen zwei Hügeln ein gut 100 Meter hoher, runder Riese hervor: das Radioteleskop Effelsberg. Hier versuchen Wissenschaftler den Geheimnissen des Universums auf die Spur zu kommen, indem sie Signale aus dem Weltall empfangen.

Allerdings hoffen die Wissenschaftler weniger auf Lebenszeichen von Außerirdischen. Vielmehr sammelt und bündelt die riesige Parabolantenne mit ihren 100 Metern Durchmesser einfallende Radiostrahlung. "Wir messen die Radiowellen natürlichen Ursprungs, von Sternen, von Galaxien aus dem Universum", erklärt Stationsleiter Dr. Alexander Kraus. So können Teile des Weltalls untersucht werden, die bei optischen Verfahren verborgen bleiben.

Gut geschützt zwischen Eifelhügeln

Als die Wissenschaftler des neu gegründeten Max-Planck-Instituts für Radioastronomie (MPIfR) Ende der 1960er Jahre einen Standort für das geplante größte, frei bewegliche Radioteleskop suchen, entscheiden sie sich unter 30 Alternativen für das Eifeltal. Grund: Der Boden ist stabil genug, um den 3.200 Tonnen schweren Koloss mit seiner weiß lackierten Stahlkonstruktion zu tragen und die umliegenden Hügel schützen die Antenne vor unerwünschten menschlichen Strahleneinflüssen.

Die wenigen Bewohner der Umgebung beobachten aufwändige Bauarbeiten: 60.000 Kubikmeter Boden und ein Hügel werden abgetragen, ein Bach verlegt und Tausende von Tonnen an Material über schmale Straßen in diese abgelegene Gegend gebracht. Am 12. Mai 1971 wird das bis dahin größte vollbewegliche Radioteleskop der Welt eingeweiht, ein Jahr später beginnt der offizielle Betrieb.

Der Blick zurück

Astronomen, Techniker und Operateure arbeiten in Schichten rund um die Uhr - sofern kein rauer Eifelwind die empfindlichen Signale stört. Für ihre Messungen müssen sie den Koloss über Drehkränze und Zahnräder auf den Bruchteil eines Millimeters genau ausrichten, damit sie die Radiowellen aufzeichnen können.

Einer der größten Erfolge in Effelsberg ist die Entdeckung von Wasser in einer Entfernung von zehn Milliarden Lichtjahren. "Das sind Signale aus einer Zeit, als es unsere Sonne und unsere Erde noch gar nicht gegeben hat", erklärt Astrophysiker Dr. Norbert Jungkes. Das ermögliche einen Blick zurück in die Geschichte des Universums. Außerdem können dank der Riesenschüssel große Teile des Himmels kartiert werden. "Und es sind 40 neue Supernova-Überreste - also Überreste gewaltiger Sternenexplosionen entdeckt worden", zählt Jungkes die wissenschaftlichen Errungenschaften auf.

Mittlerweile ist das Radioteleskop Effelsberg zwar nicht mehr das größte der Welt, das Green-Bank Teleskop in West Virginia (USA) ist wenige Meter breiter. Aber dank kontinuierlicher Erneuerung der Empfangs- und Auswertesysteme ist es noch immer auf dem neuesten Stand der Technik. So sind die Messungen des Teleskops unter Wissenschaftlern bis heute sehr gefragt, um dem Geheimnis des Universums - mitten in der Eifel - ein klein wenig näher zu kommen.

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Stand: 12.05.2016, 00:00