30. Dezember 1924 - Edwin Hubble beweist Existenz fremder Galaxien

Galaxie NGC 4485, Aufnahme des Hubble-Teleskops im Juni 2014

Stichtag

30. Dezember 1924 - Edwin Hubble beweist Existenz fremder Galaxien

Mit der Umschreibung "Welteninsel" behelfen sich Astronomen nach Anfang des 20. Jahrhunderts, um unerforschbar ferne Nebelhaufen im All zu benennen. Edwin Hubble gehört zu den ersten, die ihre riesigen Teleskope in den Kosmos richten, um durch die Messung von Entfernungen und Geschwindigkeiten etwas Ordnung in die dunkle Unendlichkeit zu bringen. Die Gesetzmäßigkeit, die der US-Astronom dabei herausfindet, wird als "Hubble-Konstante" eine der fundamentalen Größen der Kosmologie.

Andromeda gehört nicht zur Milchstraße

Hubbles Vorgänger waren lange überzeugt, die Milchstraße mit ihren 100.000 Lichtjahren Durchmesser sei die einzige Galaxie des Universums. Und von seinen Zeitgenossen weiß keiner genau, ob inzwischen entdeckte Spiralnebel wie M31, genannt "Andromeda", noch Teil unserer eigenen Galaxie sind. Edwin Hubble, damals 33 Jahre alt, steht das größte Teleskop der Welt auf dem Mount Wilson in Kalifornien zu Verfügung. 1923 entdeckt Hubble in wochenlangen Beobachtungen von Spiralnebeln außergewöhnliche Sterne, sogenannte Cepheiden, deren Leuchtkraft regelmäßig zu- und abnimmt.

Aus den Helligkeitsschwankungen errechnet der Astronom die Entfernung der Nebel. Den Forschungsbericht gibt Hubble am 30. Dezember 1924 in Washington bekannt, auf dem 33. Treffen der American Astronomical Society. Sein eindeutiges Fazit in Sachen M31: Der Spiralnebel Andromeda liegt weit außerhalb der Milchstraße. Im Abschlussbericht der Tagung heißt es: "Doktor Hubble gelang es …, aus den Spiralnebeln Andromeda und Triangulum einzelne Sterne zu isolieren, deren Distanzen abzuleiten – jeweils knapp eine Million Lichtjahre – und brachte damit die Bestätigung für die sogenannte Welteninsel-Theorie."

Parallelwelten nicht ausgeschlossen

Hubbles Pionierarbeit macht das Weltall auf einen Schlag um vieles größer, als die Experten je erwartet hätten. Seither hat sich das Universum fast pausenlos gefüllt. In immer größeren, elektronisch gesteuerten Observatorien überall auf der Erde entdecken Astronomen neue Galaxien mit jeweils hunderten von Milliarden Sternensystemen: Magellansche Wolke, Sextans A und B, Barnards-Galaxie, Sculptor-, Canis-, Major-Zwerggalaxie, Pisces-II, Coma-Berenices, Canes-Venatici-I…. Die Namen sind so fantastisch wie endlos.

Unsere Milchstraße und ihre nächstliegenden kosmischen Nachbarn, von den Astronomen "Lokale Gruppe" getauft, bilden den ein hundert-Millionsten Bruchteil des Universums – nach letzten Erkenntnissen. Noch warten unzählige Galaxienhaufen mit jeweils bis zu 1.000 Galaxien auf ihre Erforschung. Und diese Haufen bilden wiederum Superhaufen: Shapely, Aquarius, Cetus, Perseus-Pegasus, Lepus. Seit 1990 schaut das Hubble-Weltraumteleskop tiefer in den intergalaktischen Raum, als es sein 1953 gestorbener Namensgeber für möglich gehalten hätte: bis zu 13 Milliarden Lichtjahre weit.

2018 wollen die Weltraumbehörden der USA (NASA), Kanadas (CSA) und Europas (ESA) die nächste Teleskop-Generation in den Kosmos schicken. Unsere heutige Vorstellung vom Weltall könnte sich noch ganz entscheidend ändern, davon ist die Hamburger Astrophysikerin Gudrun Wolfschmidt überzeugt: "Selbst ernst zu nehmende Kollegen halten heute so etwas wie Multiversen oder Parallelwelten für möglich."

Stand: 30.12.2014

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