11. August 1932 - Peter Eisenman wird geboren

US-Architekt Peter Eisenman steht vor den ersten Stelen des Holocaust-Mahnmals in Berlin

11. August 1932 - Peter Eisenman wird geboren

2711 Beton-Stelen, dicht an dicht rechtwinklig angeordnet auf einer gewellten, zwei Fußballfelder großen Fläche: Das Berliner "Denkmal für die ermordeten Juden Europas" befindet sich nur wenige Schritte vom Brandenburger Tor entfernt. Der Entwurf für das 2005 der Öffentlichkeit übergebene Holocaust-Mahnmal stammt vom New Yorker Architekten Peter Eisenman.

"Es ist ein Teil des Alltags der Berliner und der Touristen geworden", sagt Eisenman über das Bauwerk. "Man hat hier sogar schon Liebe gemacht." Er habe keinen Friedhof schaffen wollen, "keinen Ort des Todes, sondern der Hoffnung - einen Ort, an dem die Vergangenheit erinnert wird und es Hoffnung gibt für die Zukunft."

Peter Eisenman, US-Architekt (Geburtstag 11.08.1932)

WDR 2 Stichtag 11.08.2017 04:16 Min. Verfügbar bis 09.08.2027 WDR 2

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Führender Architekturtheoretiker

Als avantgardistischer Vordenker fällt Peter Eisenman schon früh mit ungewöhnlichen Ideen auf. Der am 11. August 1932 in Newark im US-Bundesstaat New Jersey geborene Sohn einer jüdischen Familie studiert an den Universitäten Cornell, Columbia und Cambridge. Er wird zu einem führenden Architekturtheoretiker und lehrt in Princeton und Harvard.

1967 gründet Eisenman seine eigene Schule, das New Yorker "Institut of Architecture and Urban Studies". Zwei Jahre später schließt er sich mit vier anderen Architekten zu den "New York Five" zusammen, die sich unter anderem für eine Corbusier-Renaissance einsetzen. Eisenman ist mit dem französischen Philosophen Jacques Derrida, dem Begründer des Dekonstruktivismus, befreundet. Beide beeinflussen sich in ihren Arbeiten.

Rote Treppe ins Nichts

Ähnlich wie sein Kollege Daniel Libeskind, der ebenfalls zum Lager der Dekonstruktivisten gezählt wird, baut Eisenman erst relativ spät alltagstaugliche Architektur. In den 1960er und 1970er Jahren entstehen nur einige Wohnhäuser. Das radikalste ist 1975 das "Haus VI" in Cornwall im US-Bundesstaat Connecticut. Es enthält unter anderem eine knallrote Treppe, die nicht begangen werden kann und ins Nichts führt.

In den 1980er Jahren werden Eisenmans Bauten pragmatischer. Er eröffnet ein Großraumbüro: "Wir sind ein kleines Büro mit zehn, zwölf, vielleicht 15 Leuten, aber wir arbeiten an großen Projekten, in Kooperation mit anderen Architekten." Auf die Frage, wie man ein Architekturbüro erfolgreich führt, antwortet Eisenman: "Da gibt es nichts Magisches. Du musst lernen mit Leuten umzugehen. Du musst eine Menge Sachen lernen, die man nur lernen kann, wenn man sie macht."

Architektur als Erfahrungsraum

Das 1989 fertiggestellte "Wexner Center for the Visual Arts" in Columbus ist Eisenmans erstes größeres öffentliches Gebäude. Ende der 1990er Jahre plant er eine Kulturstadt für den spanischen Wallfahrtsort Santiago de Compostela. Die Anlage schmiegt sich wie eine riesige Jakobsmuschel an einen Berg. In Phoenix im US-Bundesstaat Arizona baut er ein 2006 eingeweihtes Stadion, das einem Taschenkrebs ähnelt.

Das bedeutendste Werk Eisenmans ist aber das Holocaust-Mahnmal. "Manche Leute sagen, mein Mahnmal in Berlin sei eine Provokation. Es ist aber keine Provokation", sagt der Architekt. "Es ist einfach ein Raum, in dem Sie sich befinden müssen, um eine Erfahrung zu machen. Und diese Erfahrung, die Sie dann machen, ist Ihre eigene Reaktion. Es ist nicht einfach eine Erfahrung, die ich Ihnen vorgebe."

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Stand: 11.08.2017, 00:00