14. Dezember 1991 – Erster Mayday in Berlin

Eine Frau tanzt auf der Technoparty Mayday in Dortmund

14. Dezember 1991 – Erster Mayday in Berlin

Berlin, zwei Jahre nach dem Mauerfall. Die Technokultur ist noch sehr klein. Allein der Radiosender DT64 trägt die Bewegung, vor allem durch die Sendung "Dancehall" der DJane Marusha, in die fünf neuen Bundesländer. Doch die einstige DDR-Jugendwelle, damals ein zentrales Element der realsozialistischen Jugendkultur, passt nicht ins neue Sendeschema nach der Wiedervereinigung und soll geschlossen werden.

Dagegen regt sich in der Szene Widerstand – natürlich in angemessener Form, als Party. Fabian Lenz alias DJ Dick und sein Bruder Maximilian Lenz alias Westbam organisieren eine Protestveranstaltung. Am 14. Dezember 1991 findet in der "Halle" in Berlin-Weißensee der erste Mayday statt, benannt nach dem Sprechfunk-Notruf. 5.000 junge Besucher tanzen sich den Frust von der Seele.

Vom Underground zur Massenkultur

DT64 muss trotz zweier weiterer erfolgreicher Maydays in den Folgejahren in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin-Brandenburg schließen. 1993 wird er vom Jugendradio MDR Sputnik ersetzt. Das Konzept indes, in einer Halle zu Technomusik zu feiern, bleibt bestehen. "Das war der erste Event, um den herum wirklich eine ganze deutsche Szene und eine europäische Szene entstanden ist", wird sich Westbam später erinnern. "Vorher gab’s keinen Austausch, gab’s keine DJ’s, die hin- und hergefahren sind, kein Publikum, was hin- und hergefahren ist. Durch diese Vernetzung hat es dann eine neue Dynamik bekommen."

Tatsächlich entwickelt sich Techno in den 1990er Jahren dank Veranstaltungen wie dem Mayday oder der 1989 gestarteten Loveparade vom Unterground-Sound zu einer Massenbewegung. Der Umstand, mit Gasmasken, Bauwesten oder Staubsaugern auf dem Rücken ausgelassen tanzen zu können, wirkt in der Jugendbewegung, vor allem unter ostdeutschen Jugendlichen, als Befreiung. "Einfach abzufliegen, sich hinzugeben, tatsächlich den Kopf abzuschalten, sich völlig den Emotionen und Wahrnehmungen zu überlassen und sich letztlich aufzulösen", wie DJane Elsa for Toys es formuliert, wird zum Gebot der Stunde. DJs wie Westbam, Sven Väth und Marusha werden zu abgöttisch verehrten Kultstars

Ort mit "heiliger Wirkung"

"Die meiste Musik kam ja aus England, aus Belgien, aus Holland", sagt DJ Westbam. Aber es habe keinen anderen Ort als den Mayday gegeben, "wo die Musik so ihre Magie entfaltet hat, wo sie über so etwas Hedonistisches hinaus noch viel heiligere Wirkung gehabt hat."

Von 1992 bis 1996 findet der Mayday zwei Mal im Jahr statt. Seit 1997 treffen sich Techno-Fans jedes Jahr in der Dortmunder Westfalenhalle. Die Veranstaltung ist mit bis zu 25.000 Besuchern eine der größten Indoor-Rave-Events Deutschlands.

Programmtipps:

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Stand: 14.12.2016, 00:00