13. August 1968 - Graf Westerholt eröffnet Löwenpark in Gelsenkirchen

Prospekt des Löwenparks Graf Westerholt

13. August 1968 - Graf Westerholt eröffnet Löwenpark in Gelsenkirchen

Papa spinnt wohl, meint Töchterchen Charlotte, als Egon Graf von Westerholt ausgerechnet am Elften im Elften 1967 seine neue Geschäftsidee präsentiert: In einem familieneigenen Waldstück auf dem Stadtgebiet von Gelsenkirchen soll Deutschlands erster Löwenpark entstehen.

"Graf Löwenherz", wie der Adelige bald genannt wird, ist alles andere als ein Spinner. Acht Monate ringt er mit dem Stadtrat darum, Raubkatzen in seinem Wald halten zu dürfen. Als am 13. August 1968 die ersten Besucher aus ihren Autos heraus Löwen, Leoparden und Geparde bestaunen, ist der Raubtierpark des Grafen zwar nicht mehr der erste in Deutschland, aber für das Ruhrgebiet dennoch eine Sensation: Safari-Feeling im Kohlenpott!  

Löwenpark Westerholt eröffnet (am 13.08.1968)

WDR 2 Stichtag 13.08.2018 04:04 Min. Verfügbar bis 10.07.2028 WDR 2


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Eindringling fällt Löwen zum Opfer

Die Idee zu seinem Löwenpark hat der unternehmungslustige, weitgereiste Graf aus England importiert. Ausschlaggebend für die Verwirklichung sei jedoch nicht nur dessen Faible für Raubkatzen gewesen, weiß Enkel Carl Otto. Vielmehr habe der Großvater den Bau einer Umgehungsstraße quer durch den Westerholter Wald verhindern wollen: "Und der Plan ist aufgegangen. Die Straße ist bis heute nicht gebaut worden."

Der spinnerte Plan von "Löwen-Egon" wird indessen ein Riesenerfolg: Fast zwei Millionen Menschen rollen allein in den ersten Jahren durch den Löwenpark. Mit publicityträchtigen Tiertaufen und prominenten Paten wie Max Schmeling oder Willy Millowitsch sorgt Egon Graf von Westerholt dafür, dass der Besucherstrom nicht abreißt.

1974 stellt Graf Egon mit einem Kleintierzoo eine neue Attraktion vor. Auch Tiger, Echsen, Hängebauchschweine und Flamingos sind inzwischen im Westerholtschen Park heimisch. So manch ein Exot wird allerdings von Dieben entführt. Der einzige gravierende Zwischenfall ereignet sich 1978, als ein Mann nachts in den Park eindringt und von Löwen getötet wird.   

Schließung nach 20 Jahren

Mitte der 80er-Jahre gehen die Besucherzahlen zurück; Attraktionen wie das Brühler Phantasialand machen dem Safaripark Konkurrenz. Zudem nagt der Zahn der Zeit an dem Waldgehege. Bauauflagen der Stadt Gelsenkirchen würden Millionen-Investitionen  erfordern. "Da hab ich gesagt: Jetzt ist Schluss", erzählt Egon von Westerholt damals in einem WDR-Interview.

Nach 20 Jahren kündigt "Graf Löwenherz" im Oktober 1988 die Schließung des Parks an. Die noch verbliebenen Löwen finden in Spanien ein neues Zuhause; in die ehemalige Parkverwaltung zieht später ein Chinarestaurant ein. 2002 stirbt Egon Graf von Westerholt.  Enkel Carl Otto denkt derzeit über neue Attraktionen wie Baumwipfelpfade oder Kletterparks im familieneigenen Wald nach.

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