15. April 1989 – In Sheffield sterben 96 Fußballfans

15. April 1989 – In Sheffield sterben 96 Fußballfans

Der 15. April 1989 ist ein warmer Frühlingstag in Sheffield. Im Hillsborough Stadium lockt das Pokal-Halbfinale im Football Association Challenge Cup zwischen Nottingham Forrest und dem FC Liverpool.

Kurz vor 15:00 Uhr wird der Ansturm immer größer. Die nur sieben Drehkreuze können die Menschenmassen nicht bewältigen. Rund 5.000 Menschen befinden sich da noch vor dem Eingang. Ein Polizeibeamter fragt bei den Verantwortlichen an, ob das Spiel nicht später beginnen könne. Das wird verneint. Dann kommt es zur Katastrophe.

Als das Spiel ordnungsgemäß angepfiffen wird, sind bereits 21 Menschen tot. 96 Fußballfans werden es am Ende sein. Außerdem werden Hunderte verletzt.

Stadion-Katatstrophe in Sheffield (am 15.04.1989)

WDR 2 Stichtag 15.04.2019 04:15 Min. Verfügbar bis 12.04.2029 WDR 2

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Erste Vermutung: Betrunkene Hooligans

Kurz nach der Massenpanik verbreitet das Boulevardblatt "The Sun"  unter dem Titel "Die Wahrheit" ihre - falsche - Version der Ursache. Dabei beruft sie sich auf einen anonymen Polizisten, der die Schuld betrunkenen Hooligans in die Schuhe schiebt. Die Opfer seien von den Horden bestohlen, Polizisten durch Schläge an Rettungsmaßnahmen gehindert worden: "Einige Fans urinierten auf die tapferen Cops".

Aus Sicht von Augenzeugen stellt sich die Sache ganz anders dar. Eddy Spearitt war mit seinem 14-jährigen Sohn Adam im Stadion und steht direkt am Eisengitter zum Spielfeld. Beide werden wie andere Fans darangedrückt, als von hinten immer mehr Menschen in die Blöcke strömen. "Ich versuchte, Adam darüber zu heben, aber ich versagte", wird sich Spearitt später erinnern. "Ein Polizist stand knapp zwei Meter davor und ich bettelte ihn an, er solle das Tor öffnen. Er tat es nicht, weil es gegen die Anweisungen war." Adam Spearitt erliegt seinen Verletzungen kurz darauf im Krankenhaus.

Die Wahrheit kommt ans Licht

Zunächst bohrt niemand weiter nach. Aber dann organisieren Stadt, Verein und Hinterbliebene eine Kampagne, die Aufklärung bringen soll. 2009 setzt die britische Regierung eine unabhängige Kommission ein. Sie sichtet 450.000 Dokumente, vor allem Polizeiberichte und Krankenakten. 2012 wird das Ergebnis verkündet. Nach 23 Jahren kommt die Wahrheit endlich ans Licht: "Die Behörden tragen die Verantwortung für die Tragödie, nicht die Fans", resümiert eine BBC-Reporterin.

Demnach treibt die Polizei die Menschen in bereits überfüllte Blöcke, die sie dann versperrt. Der Leiter der Polizei fälscht die Einsatzprotokolle und erfindet die betrunkenen Randalierer. Auch Rettungskräfte sind überfordert, nahezu die Hälfte der Opfer hätte sonst wohl gerettet werden können.

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Stand: 15.04.2019, 00:00