25. April 1947 - Johan Cruyff in Amsterdam geboren

25. April 1947 - Johan Cruyff in Amsterdam geboren

Von allen Superstars des Fußballs, die auch als Trainer Erfolge feierten, ist "König Johan" der erfolgreichste. Nur den wichtigsten aller Titel macht ihm "Kaiser Franz" streitig. Denn im WM-Finale 1974 kassiert Johan Cruyff die wohl bitterste Niederlage seiner Spielerkarriere. 1:2 unterliegen die von ihm geführten Niederländer der DFB-Elf mit Kapitän Franz Beckenbauer. An jenem Tag in München kommt selbst Johan der Geniale nicht am "Terrier" Berti Vogts vorbei.

Johan Cruyff hat von Kindesbeinen an für den Fußball gelebt. Am 25. April 1947 unweit des Stadions von Ajax Amsterdam geboren, kickt er schon mit sieben Jahren in dem Club, bei dem seine Mutter als Putzfrau und Kantinenwirtin arbeitet. Gerade 13 und noch schmal wie ein Handtuch, schmeißt Johan zu Mutters Entsetzen die Schule, um Profifußballer zu werden. "Sie hatte Angst, dass mich die Großen zusammentreten würden", erzählt Cruyff später.

Genialer Vollstrecker des totalen Fußballs

Als 17-jähriger schießt Johan Cruyff bei seinem Erstliga-Debüt für Ajax gleich sein erstes Tor. Doch der Verein zweifelt an der Robustheit des 60-Kilo-Hänflings, der zudem raucht wie ein Schlot. Erst Trainer Rinus Michels, der 1965 das Team übernimmt, erkennt und fördert Cruyffs überragendes Talent. Michels stellt ihn ins Zentrum seines revolutionären Konzepts des "Totaalvoetbal“, dem totalen Fußball, bei dem jeder Spieler jede Position auf dem Feld einnehmen kann.

Trickreich und technisch brillant erweist sich Cruyff als genialer Spielgestalter, Torvorbereiter und Vollstrecker. Sechs Meisterschaften gewinnt Ajax und drei Mal in Folge den Europapokal der Landesmeister. Mit Cruyff ist Ajax Amsterdam das Maß aller Dinge im Weltfußball. Als dreifacher "Europas Fußballer des Jahres" folgt Cruyff 1973 seinem Mentor Michels zum FC Barcelona. Die Katalanen stehen seit über einem Jahrzehnt im Schatten von Real Madrid. Von Michels nun auch auf totalen Fußball getrimmt und vom Alleskönner Cruyff geführt, bleibt Barça auf Anhieb 24 Spiele unbesiegt.

Von den Katalanen als Erlöser gefeiert

Als der FC Barcelona 1973 das Duell gegen Real 5:0 gewinnt und die spanische Meisterschaft holt, feiern die Katalanen Cruyff als "El Salvador", den Erlöser. Doch der Holländer polarisiert auch; so mancher kommt mit dem aggressiv-arroganten Exzentriker nicht zurecht. 1975 heuert die rheinische Trainer-Diva Hennes Weisweiler bei Barcelona an und versucht, Cruyff die Flügel zu stutzen. Doch er verliert den Machtkampf gegen seinen rauchenden Star. Am Saisonende muss Weisweiler gehen und Michels kehrt auf Wunsch von Cruyff zurück.

Nach dem Gewinn des spanischen Pokals 1978 erklärt Cruyff überraschend seinen Rücktritt vom aktiven Fußball. Ein Jahr später ist er wieder da, diesmal als hoch dotierte Zugnummer in der US-Profiliga. 1981 kehrt er zu Ajax Amsterdam heim und holt sofort zwei Meistertitel und den Pokal. Als man ihm dennoch einen neuen Vertrag verweigert, rächt sich Cruyff mit einem Wechsel zum Erzrivalen Feyenoord Rotterdam. Nachdem er auch dort die Saison 83/84 mit Meisterschaft und Pokal gekrönt hat, beendet der 37-Jährige endgültig seine Laufbahn.

Lehrmeister aller großen Trainer

Ohne je einen Trainerlehrgang absolviert zu haben, setzt Johan Cruyff das Titelsammeln als Coach von Ajax Amsterdam und FC Barcelona fort. Von 1985 bis 1996 führt der Vordenker des modernen Fußballs "seine" beiden Clubs zu insgesamt elf nationalen und internationalen Titelgewinnen. Sein gelehrigster Schüler in Barcelona heißt Pep Guardiola. "Johan hat alle großen Trainer nach ihm geprägt", sagt der spätere Meistermacher. "Von ihm haben wir uns alle etwas abgeschaut, ich selber genauso wie ein Capello, ein Sacchi oder ein Mourinho. Einfach jeder."

Ein Engagement als niederländischer Nationaltrainer scheitert an den Bedingungen des nicht gerade pflegeleichten Weltstars: "Ich möchte gern Teamchef sein für eine WM, weil das sehr kurz ist. Aber Teamchef sein, mit höchstens einem Spiel im Monat, das möchte ich überhaupt nicht." So übernimmt der Holländer nach seinem Abschied von Barcelona 1996 diverse Beratertätigkeiten und widmet sich den von ihm gegründeten Fußballschulen sowie seiner "Universität", in der Ex-Profis zu Managern ausgebildet werden. Am 24. März 2016 stirbt Europas Fußballer des Jahrhunderts im Alter von 68 Jahren an Lungenkrebs.

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