29. Mai 1985 - Heysel-Katastrophe verändert den Fußball

Ausschreitungen im Brüsseler Heysel-Stadion

29. Mai 1985 - Heysel-Katastrophe verändert den Fußball

Es ist ein sonniger Tag in Brüssel. Zehntausende Fans freuen sich auf das Europapokalfinale zwischen dem FC Liverpool und Juventus Turin. Doch statt des erwarteten Fußballfests kommt es im Heysel-Stadion zu einer der schlimmsten Katastrophen in der Geschichte des Sports.

Durch rohe Gewalt und katastrophale Planungsfehler sterben 39 Menschen, mehr als 450 weitere werden verletzt. Schnell steht fest, dass der 29. Mai 1985 den Fußball grundlegend verändern wird.

Katastrophe im Brüsseler Heyselstadion (am 29.05.1985)

WDR 2 Stichtag 29.05.2020 04:17 Min. Verfügbar bis 27.05.2030 WDR 2

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Verhängnisvolle Fehleinschätzung

Die Provokationen, vornehmlich durch englische Fans, beginnen schon in der Innenstadt. Diese werden aber trotz unzähliger zerbrochener Schaufensterscheiben nicht ernst genommen. Zu oft hatte die Hooliganszene seit den 1970er Jahren ihr hässliches Gesicht gezeigt.

Im Stadion gehen die Ausschreitungen weiter. Fans von Juventus werfen vor Anpfiff Steine und Leuchtraketen auf die Polizei. Die Anhänger der Reds antworten mit bengalischen Feuern.

Dass die Lage eskaliert, liegt aber hauptsächlich an zwei Gründen: Trotz dringender Warnungen des britischen Sportministeriums funktioniert die Fan-Trennung nicht. Im eigentlich neutralen Block Z - direkt neben den Liverpoolern - stehen viele Italiener. Die Tickets konnten sie einfach im Reisebüro kaufen.

Erdrückt, erstickt und totgetrampelt

Zudem ist das Heysel-Stadion völlig veraltet. Die UEFA hatte das Endspiel trotzdem dort ausrichten wollen - weil Brüssel halt mal dran war. Als die gewaltbereiten Engländer den Block Z stürmen, bricht Panik aus.

An einer Mauer werden viele Fans erdrückt. Als die marode Absperrung schließlich bricht, begräbt sie weitere Zuschauer unter sich. Andere ersticken oder werden totgetrampelt.

Polizei schaut ohnmächtig zu

Die belgische Polizei schaut ohnmächtig zu, und auch die überwiegend ehrenamtlichen Ordner sind von Hass und Gewalt überfordert. Angesichts der dramatischen Szenen bricht das ZDF die Übertragung ab.

Gespielt wird mit rund 90 Minuten Verspätung trotzdem - vor allem um eine neue Massenhysterie zu verhindern. Am Ende siegt Turin mit 1:0 durch einen umstrittenen Elfmeter von Michel Platini.

Eine Katastrophe und ihre Folgen

Nach der Katastrophe werden 14 Liverpool-Hooligans zu Haftstrafen verurteilt. Zudem werden englische Klubs für fünf Jahre von allen Europapokalspielen ausgeschlossen, der FC Liverpool für sechs.

Im Heysel-Stadion finden im Anschluss kaum noch Fußballspiele statt. 1994 wird es fast komplett abgerissen und unter dem Namen König-Baudouin-Stadion neu errichtet.

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