27. Mai 1923 - Henry Kissinger wird geboren

Henry Kissinger

27. Mai 1923 - Henry Kissinger wird geboren

"Das Gleichgewicht der Großmächte" - der Titel seiner Dissertation über Fürst Metternich ist für Henry Kissingers Karriere programmatisch. Er promoviert 1954 über den österreichischen Außenminister, der Anfang des 19. Jahrhunderts bei der Neusortierung Europas eine wesentliche Rolle gespielt hat.

Eine ähnliche Rolle übernimmt Kissinger bald selbst. Er will die Weltordnung und das Gleichgewicht der Mächte im Kalten Krieg mitbestimmen.

Henry Kissinger, US-Politiker (Geburtstag 27.05.1923)

WDR 2 Stichtag 27.05.2018 04:13 Min. Verfügbar bis 24.05.2028 WDR 2

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Kissinger-Familie flieht aus Nazi-Deutschland

Geboren wird der US-Politiker am 27. Mai 1923 als Heinz Alfred Kissinger in Fürth. 1938 drängt seine Mutter die jüdische Familie aus Angst vor den Nationalsozialisten zur Emigration in die USA.

Mit 15 Jahren kommt Heinz nach New York. Im Zweiten Weltkrieg kämpft er als US-Soldat in den Ardennen. Danach studiert der hochbegabte Immigrant in Harvard Politikwissenschaften.

Wissenschaftler, Berater, Außenminister

Kissinger wird Hochschulprofessor und berät den New Yorker Gouverneur Nelson Rockefeller. Auch US-Präsident John F. Kennedy schätzt seine Meinung, etwa beim Bau der Berliner Mauer.

1968 macht ihn US-Präsident Richard Nixon zunächst zum Berater für Außen- und Sicherheitspolitik, 1973 dann zum Außenminister.

Kissinger erhält Friedensnobelpreis

Im Vietnamkrieg gelingt es Kissinger in jahrelangen Geheimverhandlungen mit dem kommunistischen Norden, 1973 einen Friedensvertrag zu schließen. Dafür erhält er den Friedensnobelpreis - aber auch Kritik. Denn zugleich liefern die USA weiterhin Waffen in den Süden. Der Krieg endet erst 1975.

Im Nahen Osten wird Kissinger für seine "Pendeldiplomatie" gefeiert. Er reist zwischen den Konfliktparteien Israel, Ägypten und Syrien hin und her und vermittelt. Es gelingt ihm, das Ende des Yom-Kippur-Krieges auszuhandeln.

Unbestätigter Verdacht

1973 sollen Kissinger und der US-Geheimdienst CIA in Chile den Putsch von General Augusto Pinochet gegen den demokratisch gewählten sozialistischen Präsidenten Salvador Allende unterstützt haben.

Wegen seiner angeblichen Verstrickung in diesen Fall wird Kissinger ab Ende der 1990er Jahre mehrfach als Zeuge vor Gerichte verschiedener Länder geladen, erscheint dort nicht.

Kissinger - brillant oder skrupellos?

Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Amt des US-Außenministers 1977 werden sich Anhänger und Gegner nicht einig: Ist Kissinger ein brillanter Krisenmanager und Stratege mit historischem Weitblick oder ein kalter Realpolitiker ohne Moral?

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Stand: 27.05.2018, 00:00