3. Februar 1926 - Hans-Jochen Vogel wird geboren

Hans-Jochen Vogel, SPD-Politiker (Aufnahme von 2014)

Stichtag

3. Februar 1926 - Hans-Jochen Vogel wird geboren

Zunächst sieht alles nach einer Juristen-Karriere aus: Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrt der 19 Jahre alte Hans-Jochen Vogel aus der Gefangenschaft zurück und studiert Rechtswissenschaften in Marburg. 1950 promoviert er mit Auszeichnung. Zwei Jahre später arbeitet er als Assessor im Bayerischen Justizministerium. 1954, also mit 28 Jahren, ist er Amtsgerichtsrat in Traunstein, 1955 leitet er in der Bayerischen Staatskanzlei einen Arbeitskreis, der Übersicht in das Bayerische Landesrecht bringt.

Doch dann will er auch die sozialen Strukturen der jungen Bundesrepublik mitgestalten: "Ich habe nach dem Krieg das Gefühl gehabt, das genügt nicht", erinnert sich der am 3. Februar 1926 in Göttingen geborene Hans-Jochen Vogel. "Das, was wir von der Generation vor uns übernommen haben - Trümmer, Besetzung, schreckliche Verbrechen, die von Deutschen gegangen worden sind -, da muss man sich kümmern." Darum geht er in die Politik. Von den Eltern sei Hans-Jochen zum Vorbild erklärt worden, erinnert sich sein jüngerer Bruder Bernhard, der selbst Karriere in der CDU gemacht hat - als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Thüringen. Hans-Jochen hingegen fühlt sich der Sozialdemokratie zugehörig. 1950 wird er Mitglied der SPD.

Münchner Oberbürgermeister und Bundesjustizminister

Im März 1960 wird Hans-Jochen Vogel in München zum jüngsten Oberbürgermeister einer europäischen Millionenstadt gewählt. Ihm gelingt es, die Olympischen Sommerspiele von 1972 in die bayerische Hauptstadt zu holen. Im selben Jahr, 1972, wird er zuerst in das SPD-Präsidium gewählt und anschließend von Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) zum Leiter des Bundesministeriums für Raumordnung und Bauwesen ernannt. Nach dem Rücktritt von Brandt im Mai 1974 wird Vogel im Kabinett von Helmut Schmidt (SPD) Justizminister. "Er ist der richtige Mann für dieses Amt in dieser Zeit", sagt der neue Bundeskanzler. "Er hat seinen eigenen Kopf. Er ist von niemandem abhängig. Er ist hart und zwar zuerst zu sich selbst. Er kann denken, er kann aber auch zuhören."

Hans-Jochen Vogel erwirbt sich bald einen weiteren Ruf: "Wahrscheinlich werden die Leute sagen, der ist ein bisschen pedantisch", vermutet er. Beschrieben wird er auch als diszipliniert, fleißig und ehrlich. Er hat die Angewohnheit, Vorgänge feinsäuberlich in Klarsichthüllen abzulegen. Ein Kölner Parteifreund hat ihn sogar als "Oberlehrer" betitelt. "Die Bezeichnung stammt von Hans-Jürgen Wischnewski, der mal sehr ärgerlich war als Schatzmeister der SPD." Vogel habe konkrete Fragen zum Haushalt gestellt. "Das ist ihm auf die Nerven gegangen und von daher kommt der Begriff. Ich kann damit leben."

Kanzlerkandidat und SPD-Chef

1981 gibt Vogel das Amt des Justizministers auf und springt in Berlin als Regierender Bürgermeister ein. Sein Parteifreund Dietrich Stobbe war nach einer gescheiterten Senatsumbildung zurückgetreten. Als die sozialliberale Koalition in Bonn zerfällt und der neue Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) Neuwahlen ankündigt, ist Vogel erneut zur Stelle, um seiner Partei aus der Patsche zu helfen. Er wird von SPD-Parteivorstand einstimmig als Kanzlerkandidat nominiert. Bei der Bundestagswahl im März 1983 kann sich die SPD unter Vogel jedoch nicht durchsetzen. Nach der Wahl übernimmt Vogel von Herbert Wehner den Vorsitz der SPD-Bundestagsfraktion und damit das Amt des Oppositionsführers.

Rückzug in Raten

Als Brandt 1987 vom Parteivorsitz zurücktritt, wird Vogel zusätzlich auch noch Parteichef. Die SPD leidet damals unter einer Führungskrise. Der greise Brandt war nicht mehr in der Lage gewesen, die Partei zusammenzuhalten. Vogel will die Talfahrt mit einem neuen Führungsstil stoppen. "Jeder und jede soll in dieser Partei zu Wort kommen", verkündet er. "Aber dann muss entschieden werden, und diese Entscheidungen müssen dann gelten und für alle verbindlich sind." Die Strategie geht auf: Nach einem Jahr ist von Flügelkämpfen nichts mehr zu spüren. Vogel gelingt es allerdings nicht, die Wähler zu überzeugen. Nur 33,5 Prozent geben bei der Bundestagswahl 1990 ihre Stimme der SPD. Vogel nimmt das Ergebnis zum Anlass, sich allmählich aus der Politik zurückzuziehen. Björn Engholm wird Parteivorsitzender, Ulrich Klose übernimmt den Fraktionsvorsitz. Als Vogels Bundestagsmandat 1994 ausläuft, stellt er sich nicht mehr zu Wahl.

Stand: 03.02.2016

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Stand: 03.02.2016, 00:00