9. August 2007 - Beginn der weltweiten Finanzmarktkrise

Euro-Skulptur vor der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main

9. August 2007 - Beginn der weltweiten Finanzmarktkrise

"Die Krise zieht immer weitere Kreise", meldet ARD-Börsenkorrespondent Stefan Wolff in den "Tagesthemen" vom 9. August 2007. "Jetzt wurde der ansonsten eher beschauliche Geldmarkt getroffen. Dort leihen sich die Banken untereinander Geld." Das funktioniere ganz ohne Sicherheiten. "Weil aber im Zeichen der Krise immer mehr Banken Geld zurücklegen und vorhalten, wurde heute das Geld knapp."

Die Europäische Zentralbank (EZB) reagiert sofort und greift am Geldmarkt ein: Sie bietet den Banken des Euro-Raums für 24 Stunden an, unbegrenzt Geld zu leihen - gegen entsprechende Sicherheiten und zum damaligen Leitzins von 4,25 Prozent. Damit soll verhindert werden, dass die Zinsen durch die Decke gehen. Die Banken rufen die unerwartet hohe Summe von 94,8 Milliarden Euro ab. Die Lage beruhigt sich zunächst.

Beginn der Finanzmarktkrise (am 09.08.2007)

WDR 2 Stichtag 09.08.2017 04:15 Min. Verfügbar bis 07.08.2027 WDR 2

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Folge der Immobilienkrise

Als Auslöser der Finanzmarktkrise gilt das Platzen der Immobilienblase in den USA. Deren Geschichte beginnt nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001, als die US-Zentralbank Fed die Zinsen künstlich niedrig hält. Das nährt den Wunsch vieler US-Bürger nach einem Eigenheim. Die Banken vergeben in dieser Situation auch günstige Kredite an Menschen mit geringem Einkommen.

Als die Zinsen wieder steigen, fallen die ersten Kredite aus. Die Banken haben eine Idee: Sie packen - bildlich gesprochen - die faulen Kredite in neue Finanzmarkt-Produkte mit Abkürzungen wie CDO, MBS und ABCP. "Und so kam das US-Problem mit der Immobilienblase in die deutschen Bankbilanzen", sagt Martin Hellmich, Professor an der Frankfurt School of Finance and Management. Denn die Banken in Deutschland haben zu diesem Zeitpunkt große Geldmengen und suchen nach Anlagemöglichkeiten.

Bankenrettung mit Steuergeldern

Für die Investmentbanken lohnt sich das Geschäft: Mit jedem Immobilienkredit, den die Broker als Wertpapier weiterverkaufen, verdienen sie kräftig. Doch es gibt auch Verlierer: Als die Häuserpreise fallen und viele Immobilien zwangsversteigert werden, müssen die Käufer der neuen Finanzmarkt-Produkte, darunter viele Banken, Abschreibungen in Milliardenhöhe vornehmen. Im August 2007 erreicht die Krise einen ersten Höhepunkt - weil sich die Banken gegenseitig nicht mehr vertrauen und sich kein Geld mehr leihen.

Die daraufhin erfolgende EZB-Intervention kann die Finanzkrise nur abmildern, aber nicht lösen. Im Herbst 2008 geht die traditionsreiche US-Investmentbank Lehman Brothers pleite. Nun betreibt auch die deutsche Politik Krisenmanagement. Ein staatlicher Bankenrettungsfonds wird eingerichtet und eine eigene Behörde geschaffen: die Bundesanstalt für Finanzmarkt-Stabilisierung.

Merkel: "Spareinlagen sind sicher"

Die Bankenrettung mit Steuerzahler-Milliarden wird mit einer psychologisch wichtigen Botschaft verbunden. Am 8. Oktober 2008 verkündet Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Namen der Bundesregierung: "Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind." Schlangen vor Geldautomaten bleiben aus.

Trotzdem schlägt die Krise im Frühjahr 2009 auf die reale Wirtschaft durch. Viele Firmen machen Kurzarbeit. Staatliche Stützprogramme - wie Überbrückungshilfe für Firmen, kommunale Konjunkturpakete und Abwrackprämie für alte Autos - sollen für Stabilität und Aufschwung sorgen. Die Industrie erholt sich schnell. Europas Banken jedoch haben mit den Folgen bis heute zu tun: Noch immer haben sie eine Billion Euro an faulen Krediten in ihren Bilanzen.

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"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 9. August 2017 ebenfalls an den Beginn der Finanzmarktkrise. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

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Stand: 09.08.2017, 00:00