29. Oktober 1977 - Eklat bei Premiere des Films "Die Konsequenz"

Wolfgang Petersen, Alexander Ziegler, Jürgen Prochnow (v. l.) 1977 bei Dreharbeiten zu "Die Konsequenz"

29. Oktober 1977 - Eklat bei Premiere des Films "Die Konsequenz"

Der 20. Film von Wolfgang Petersen erregt die Gemüter. 1977 verfilmt der spätere Hollywood-Regisseur den autobiografischen Roman "Die Konsequenz" des Schweizer Schauspielers Alexander Ziegler. Darin geht es um eine Beziehung zwischen zwei Männern und um eine Umwelt, die diese Liebe um jeden Preis zerstören will - ein Tabuthema. Die beiden Hauptrollen spielen Jürgen Prochnow und Ernst Hannawald.

Der Inhalt: Im Gefängnis lernt der Schauspieler Martin Kurath (Jürgen Prochnow), verurteilt wegen der "Verführung eines Minderjährigen", den 16-jährigen Thomas Manzoni (Ernst Hannawald), Sohn eines Aufsehers, kennen. Die beiden verlieben sich und ziehen nach der Entlassung Kuraths zusammen. Um die Beziehung zu unterbinden, erwirken die Eltern von Thomas vor Gericht die Einweisung ihres Sohnes in eine Erziehungsanstalt.

Premiere des Films "Die Konsequenz" (am 29.10.1977)

WDR 2 Stichtag | 29.10.2017 | 04:13 Min.

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Sadismus, Flucht, Arrest

In der Anstalt bestimmt ein sadistischer Betreuer den Alltag. Thomas darf nicht zur Schule gehen. Er flieht, wird gefasst, flieht wieder, um schließlich freiwillig zurückzukehren. Ein Aufseher ritzt ihm zur Begrüßung eine Narbe ins Gesicht. Thomas verbringt Wochen im Arrest - allein und mit gekürzter Essensration.

Erst als er - mit 21 Jahren - volljährig ist, kommt Thomas frei. Arbeit findet er nicht, weil ein Aufenthalt in der Anstalt als Makel gilt.

Zerstörerische Allianz

Thomas beginnt zu trinken, hat Wutanfälle, will sich nicht helfen lassen. Einzig sein Freund Martin ist für ihn da. Doch das reicht nicht. Wie soll ein Einzelner reparieren, was eine Allianz aus vorurteilsbeladenem Denken, rücksichtloser Justiz und brutaler Erziehung zerstört hat?

Thomas macht einen Suizidversuch, wird in eine psychiatrische Klinik eingewiesen und flüchtet. In der letzten Szene des Films steigt Thomas in ein Ruderboot und fährt auf einen See hinaus. Im Fernsehen wird eine Vermisstenmeldung verlesen.

Empörung und Lob

Am 29. Oktober 1977 wird "Die Konsequenz" auf den Hofer Filmtagen uraufgeführt. Wenige Tage später strahlen alle ARD-Anstalten den von Bernd Eichinger produzierten Film aus - bis auf eine. Der Bayerische Rundfunk sendet ein Ersatzprogramm.

Auch aus dem Publikum gibt es ablehnende Reaktionen. Das sittliche Volksempfinden und die Bibel werden bemüht, um sich zu empören. Von anderer Seite gibt es hingegen Anerkennung: Der Film "Die Konsequenz" wird mit dem Adolf-Grimme-Preis, dem Kritiker-Preis und dem Prädikat "wertvoll" ausgezeichnet.

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Stand: 29.10.2017, 00:00