7. November 1957 - Der erste Trabi läuft vom Band

7. November 1957 - Der erste Trabi läuft vom Band

Was ist der Unterschied zwischen einem Trabi und einem Kondom? Es gibt keinen: Beide verhindern den Verkehr.

Und wann erreicht ein Trabi Höchstgeschwindigkeit? Natürlich, wenn er abgeschleppt wird! Witze wie diese kursieren in der DDR schon früh über das legendäre und aus Mangel an Alternativen heißbegehrte Kleinauto.  

Eine gehörige Portion Selbstironie verrät auch dieser Witz: Ein Trabbi fliegt aus der Kurve und landet auf einer Wiese direkt neben einem Kuhfladen. Fragt der Kuhfladen: "Wer bist du denn?". Sagt der Trabi: "Ein Auto". Entgegnet der Kuhfladen: "Wenn du ein Auto bist, dann bin ich eine Pizza".

Gehäuse: Duroplast

Ein Pizzastück vom Fortschritt wollen in den 50er Jahren in Ostdeutschland viele. Wie beim westlichen Nachbarn drängt es den DDR-Bürger auf die Straße. Die Volkswirtschaft braucht Pkws, die für die arbeitende Bevölkerung erschwinglich sind.

Als der einmillionste "Käfer" das VW-Werk der Bundesrepublik verlässt, beschließt die SED-Führung, in den Sachsenring-Werken in Zwickau ein Vergleichsmodell entwickeln zu lassen. Allerdings nicht aus Blech und Stahl, das hätte importiert werden müssen und außerdem auf der Embargoliste des Westens steht, sondern aus Duroplast.
 
Am 7. November 1957, rechtzeitig zum Jahrestag der russischen Oktoberrevolution, läuft in Zwickau der erste Trabant als Pilotmodell mit Zweitaktmotor vom Band. Von dieser Nullserie werden 50 Exemplare produziert, einer ist der Hauptgewinn auf einer Tombola. Der russische Name des Autos bedeutet "Begleiter des Menschen", und als lebenslanger Begleiter ist er auch geplant. Konzipiert für die typische vierköpfige DDR-Familie, hält sein Gehäuse aus Sowjet-Baumwolle und Phenolharz aus heimischem Braunkohleteer Generationen lang.

Der Trabi rollt und rollt und rollt, bis heute. Wegen Ersatzteilmangels improvisieren und reparieren die Besitzer oft selbst.

Erster Trabi läuft in der DDR vom Band (am 07.11.1957)

WDR 2 Stichtag | 07.11.2017 | 04:15 Min.

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Mobilität für 7.650 Ost-Mark

Die Karosserie des "Plaste-Bombers" wird noch von Hand zugeschnitten, alle Reste recycelt. Wegen dieses aufwändigen Produktionsprozesses kommt die Zwickauer Tagesproduktion mit ihren 12.000 Angestellten über 600 Exemplare nicht hinaus. Deshalb ist der Trabi in Ostdeutschland Mangelware. Bis zu zehn Jahren muss man auf ein Exemplar warten, und dann in einem Kaufvertrag versichern, innerhalb der letzten drei Jahre kein fabrikneues Fahrzeug erstanden zu haben. Bei falschen Angaben droht Besitzverlust. Angeblich sollen Familienväter schon bei der Geburt ihrer Kinder einen Antrag auf ein neues Fahrzeug stellen. Aber das ist wohl auch nur ein Witz der Automobilgeschichte.

Vom ersten offiziellen Trabant-Modell P 50 werden über 130.000 Exemplare produziert und für 7.650 Mark das Stück verkauft. Das Auto wird stetig weiterentwickelt, sein berühmtester Ableger ist wohl der Trabant 601, der 1963 vorgestellt wird. Er ist auch die letzte größere Trabant-Innovation. Danach gibt es nur noch kleinere Änderungen. Die Wiedervereinigung setzt dem Erfolgsmodell ein Ende. Im April 1991 läuft das letzte von 3,1 Millionen Exemplaren vom Band.

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Stand: 07.11.2017, 00:00