21. Oktober 1958 - Erste Frauen ziehen in britisches Oberhaus ein

Mitglieder des britischen Oberhauses am 18. Mai 2016

21. Oktober 1958 - Erste Frauen ziehen in britisches Oberhaus ein

1919 zieht Lady Nancy Astor als erste Frau ins britische Parlament ein. Keine Selbstverständlichkeit: Jahrzehntelang haben Frauen zuvor für ihre politischen Rechte als sogenannte Suffragetten gekämpft – abgeleitet aus dem französischen Wort "suffrage" für Wahlrecht.

Lady Astor stößt auf Abwehr bei den Abgeordneten. "Natürlich waren die Männer dort für Gleichberechtigung - theoretisch", erzählt sie. Aber Winston Churchill habe zu ihr gesagt: "Als Sie das Unterhaus betraten, fühlte ich mich, als wäre eine Frau in mein Badezimmer gekommen und ich hätte nichts außer eines Schwammes, um mich zu bedecken."

Erste Frauen ziehen ins britische Oberhaus ein (am 21.10.1958)

WDR 2 Stichtag 21.10.2018 04:09 Min. Verfügbar bis 18.10.2028 WDR 2

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Männer-Bastionen bröckeln

Während sich die Männer im Unterhaus, dem von der Bevölkerung gewählten Teil des Parlaments, in den 1920er-Jahren langsam an weibliche Abgeordnete gewöhnen, sitzen im britischen Oberhaus weiterhin nur Männer.

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts sind im Oberhaus neben Geistlichen fast ausschließlich Adelige, deren Familien ihren Sitz seit Generationen an die Nachkommen vererben. Erst Ende der 1950er-Jahre ändert sich das durch das "Gesetz über die Adelswürde auf Lebenszeit".

Oberhaus-Sitz nicht mehr vererbbar

"1958 wurde mit dem 'Life Peerages Act' die Möglichkeit geschaffen, dass der Monarch auf Vorschlag des Premierministers Menschen für die Dauer ihres Lebens in den Adelsstand erhob", sagt Thomas Saalfeld, Professor für Vergleichende Politikwissenschaft an der Universität Bamberg.

Damit verbunden sei ein lebenslanger Sitz im Oberhaus, der aber nicht vererbt werden könne. Am 21. Oktober 1958 ziehen deshalb die ersten Frauen ins Oberhaus ein. Stella Isaacs ist die erste Adlige, die im britischen Oberhaus ihren Eid auf die Königin ablegt.

Frauenteil heute Im Mittelfeld

Das Gesetz von 1958 sorgt dafür, dass im Oberhaus immer mehr Erbadelige durch Adelige auf Lebenszeit ersetzt werden - und sich die Frauenquote im Parlament erhöht.

"Das 2017 gewählte Unterhaus hat etwa ein Drittel weibliche Mitglieder. Damit liegt das britische Parlament, so ähnlich wie Deutschland, im Mittelfeld", sagt Wissenschaftler Saalfeld. Im Oberhaus liege der Anteil bei etwas einem Viertel. Das ist - angesichts der Tatsache, dass Frauen die Hälfte der Bevölkerung ausmachen - ein noch immer zu geringer Frauenanteil.

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Stand: 21.10.2018, 00:00