09. Februar 2007 - Vor 100 Jahren: 3.000 Frauen demonstrieren für ihr Wahlrecht

Stichtag

09. Februar 2007 - Vor 100 Jahren: 3.000 Frauen demonstrieren für ihr Wahlrecht

London, 9. Februar 1907: Bei strömendem Regen versammeln sich rund 3.000 Frauenrechtlerinnen aus 40 Wahlrechtsgesellschaften. Ihr Aufmarsch ist eine friedliche Demonstration für die Einführung des Frauenstimmrechts. Die Farben der Suffragetten, der "Wahlweiber" in Großbritannien, sind rot, weiß und grün: "Rot stand für das loyale Herz, weiß war für die Reinheit und grün für die Hoffnung", erklärt Gisela Notz, Historikerin bei der Friedrich-Ebert-Stiftung. Als König Eduard VII. in seiner Thronrede nicht auf die Forderung eingeht, kommt es am 13. Februar 1907 zu militanten Protestaktionen. Die Polizei greift hart durch und verhaftet 50 Frauen, darunter auch die damalige Anführerin Emmeline Pankhurst.

Zuvor haben die Wahlvereine 40 Jahre lang erfolglos Petitionen eingebracht. 1903 gründet Pankhurst deshalb die WSPU, die "Women's Social and Political Union". Drei Jahre später radikalisiert sich die Bewegung. Die Frauen ziehen lärmend durch Londons Straßen - mit der Glocke in der Hand und Informationsmaterial unter dem Arm. 1908 klagt Christabel Pankhurst, eine Tochter von Emmeline, die Regierung an, in der Frauenfrage demokratische Grundsätze zu missachten. Sie ruft die Frauen auf, sich mit aller Kraft dagegen zu wehren. Für die Wahlen im Jahr darauf fordert sie ein gesetzlich verankertes Frauenwahlrecht. Es kommt zu einer großen Kundgebung im Londoner Hyde Park mit 250.000 Teilnehmerinnen.

"Fortschritt durch Zerstörung von Eigentum"

Als ihr Anliegen weiter ignoriert wird, setzen die Frauen auf immer militantere Aktionen: Sie ketten sich am Zaun vor dem englischen Parlament an, werfen Scheiben von Ministerien ein und sprengen das im Bau befindliche Landhaus des Schatzkanzlers in die Luft. Eine Frau wirft sich bei einem Pferderennen sogar vor das Pferd des Königs und stirbt. "Wir haben uns über viele Jahre lang geduldig Beleidigungen und tätlichen Angriffen ausgesetzt", erklärt Emmeline Pankhurst. Die Erfolglosigkeit friedlicher Mittel rechtfertige die begangenen Sachbeschädigungen: "Jeder Fortschritt im Hinblick auf die politische Freiheit der Menschen wurde durch Gewalttätigkeit und Zerstörung von Eigentum errungen." Der Staat lässt sich das nicht bieten: Viele Frauen werden inhaftiert. Da sie wie politische Gefangene und nicht wie Kriminelle behandelt werden wollen, treten sie in den Hungerstreik. Die Behörden reagieren mit Zwangsernährung.

Der Erste Weltkrieg setzt der Auseinandersetzung vorerst ein Ende. Ein Teil der Suffragetten wandelt sich zu begeisterten Patriotinnen, die ihr Engagement aufgeben und sich in die Heimatfront einreihen. Darunter ist auch Emmeline Pankhurst. Ihre Tochter Sylvia hingegen gehört zu den Kriegsgegnerinnen und schließt sich der internationalen Frauenfriedensbewegung an. Nach dem Krieg kommt die Wende: Ab 1918 dürfen in England auch die Frauen wählen - wenn sie über 30 Jahre alt sind. Erst 1928 wird diese Altersbeschränkung aufgehoben.

Stand: 09.02.07