10. Juni 1493 - Anton Fugger in Augsburg geboren

Anton Fugger

10. Juni 1493 - Anton Fugger in Augsburg geboren

Im Mittelalter sind die Fugger ein Großkonzern. Und ein erstaunlich moderner noch dazu. Monopolbildung, Expansionsdenken, Risikobewertung und Investmentstrategie sind schon den Geschäften des schwäbischen Kaufmannsgeschlechts eingeschrieben. Erstaunlich ist vor allem die räumliche Dimension ihres Wirkungskreises: Dieser erstreckt sich von Südspanien bis Nowgorod in der Nähe von Sankt Petersburg.

Vor allem die zweite Generation um Jakob Fugger schafft im 15. Jahrhundert die Grundlage dafür, dass die Fugger bis kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg auch politisch im Weltgeschehen mitspielen. Sein Neffe Anton baut die Geschäfte noch erheblich aus.

Anton Fugger, Kaufmann (Geburtstag 10.06.1493)

WDR 2 Stichtag 10.06.2018 04:16 Min. Verfügbar bis 07.06.2028 WDR 2


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Den Kaiser finanzieren

Geboren wird Anton Fugger am 10. Juni 1493 in Augsburg. Eigentlich ist er eher an Kunst und Musik interessiert. Ohnehin soll sein Cousin Ulrich die Firmengeschäfte des kinderlosen Jakob übernehmen. Als dieser 1525 plötzlich verstirbt, ist Anton an der Reihe. Zu diesem Zeitpunkt hat er schon die wichtigsten Zweige des Imperiums, das sich auf Bergbau und Staatsfinanzierung stützt, kennengelernt und ist in den wichtigsten sogenannten Faktoreien in Breslau, Nürnberg und Rom tätig gewesen.

Mit großem unternehmerischem Geschick handelt Anton mit Silber, Kupfer oder Quecksilber und verleiht Geld –  vor allem an das Habsburger Kaiserhaus. Die Kredite an den Herrscher sind ein Risiko, denn niemand kann den Kaiser verklagen. Dafür gibt es zusätzliche Garantien, wie die Abgaben spanischer Ritterorden.

Protestantismus als Problem

Die Reformation ist ein Problem für Fugger und seine Familie: Augsburg wird protestantisch, die Banker der Habsburger bleiben katholisch. Als Anton gegen einen Stadtratsbeschluss in der Stiftskirche einen katholischen Gottesdienst abhalten lässt, wird er zu acht Tagen Gefängnis verurteilt - sitzt aber nur eine Nacht ab. Später gibt es Krieg zwischen Katholiken und Protestanten. Der Kaiser belagert Augsburg, Anton handelt eine glimpfliche Übergabe aus. Dafür muss er den Kaiser bei sich einquartieren und finanzieren - und später, als das Kriegsglück sich zeitweise wendet, mit ihm fliehen.

Anton sorgt in den unruhigen Zeit vor: Nach und nach investiert er in Grund und Boden und verheiratet die meisten seiner zehn Kinder in den Landadel. So wird aus der bürgerlichen Aufsteigerfamilie allmählich eine feudale Dynastie. Auf dem Höhepunkt seines Erfolgs besitzt Anton fünf Millionen Gulden; für heutige Begriffe ist er Multi-Milliardär. In seinem Testament verfügt Anton die Stiftung mehrerer Spitäler. Er stirbt 1560.

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