26. Juni 1945 - Gründungsaufruf der CDU unterzeichnet

Vom 20. bis 22. Oktober 1950 hält die CDU in Goslar ihren ersten Bundesparteitag ab

Stichtag

26. Juni 1945 - Gründungsaufruf der CDU unterzeichnet

"In der schwersten Katastrophe, die je über ein Land gekommen ist, ruft die Partei Christlich-Demokratische Union Deutschlands aus heißer Liebe zum deutschen Volk die christlichen, demokratischen und sozialen Kräfte zur Sammlung, zur Mitarbeit und zum Aufbau einer neuen Heimat." Nur sieben Wochen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs unterzeichnen am 26. Juni 1945 in Berlin 35 Frauen und Männer einen Gründungsaufruf für eine neue christliche Volkspartei. Darunter sind Konservative, Liberale, Gewerkschafter und Wissenschaftler.

Das rein katholische "Zentrum", vor dem Krieg eine der wichtigsten Parteien im Deutschen Reich, hat sich überlebt. Noch in der Endphase des Hitler-Regimes ist die Erkenntnis gewachsen, dass eine solche Partei überkonfessionell sein muss. Deshalb unterzeichnen sowohl Katholiken als auch Protestanten.

Vom Christlichen Sozialismus ...

In anderen Städten bilden sich ebenfalls wenige Wochen nach Kriegsende unabhängig voneinander christlich-demokratische Parteigruppierungen. Ein entscheidendes Zeichen setzen ehemalige Zentrumspolitiker in Köln. Schon am 17. Juni 1945 kommen sie im Kolpinghaus zusammen - obwohl politische Versammlungen noch verboten sind. Ihre "Kölner Leitsätze" sind getragen von der Idee eines Christlichen Sozialismus, wie sie sich auch im Berliner Gründungsaufruf finden: "Das Gemeineigentum darf so weit erweitert werden, wie das Allgemeinwohl es erfordert", notieren die Kölner. "Die Vorherrschaft des Großkapitals, der privaten Monopole und Großkonzerne wird gebrochen." Von diesem ersten Programm der CDU werden fast 100.000 Exemplare verteilt.

Doch das, was wie ein kommunistisches Traktat klingt, hat in der CDU schon bald ausgedient. Konrad Adenauer fordert ein klares Bekenntnis zum Kapitalismus und trimmt die Partei auf Linie. Im Januar 1946, nur vier Monate nach seinem Parteieintritt, erklärt er sich selbst zum vorläufigen Vorsitzenden der CDU in der britischen Zone. Im Februar 1946 wird er zum Vorsitzenden der CDU-Rheinland gewählt und am 1. März in Neheim-Hüsten auch offiziell zum Chef des Zonenausschusses. Nun hat der 70-Jährige alle Schlüsselstellungen in der Partei inne. Innerparteilich hat er nur noch einen bedeutenden Gegner: Jakob Kaiser, den Chef der CDU in der sowjetischen Besatzungszone. Während Kaiser für eine Zusammenarbeit mit der sowjetischen Besatzungsmacht plädiert, forciert Adenauer eine enge Bindung an die West-Alliierten.

... zur Sozialen Marktwirtschaft

Im innerparteilichen Machtkampf profitiert Adenauer von den sowjetischen Besatzern. Im Zuge ihrer Gleichschaltungspolitik wird Kaiser im Dezember 1947 als CDU-Chef in der sowjetischen Zone abgesetzt. Adenauers Machtposition ist nun unangefochten. Während sich im folgenden Jahr die westlichen Besatzungszonen zur Trizone vereinigen und die Währungsreform die deutsche Teilung zementiert, sorgt er dafür, dass die letzten sozialistischen Ideen aus den Schriften der CDU verschwinden. Zu den ersten Bundestagswahlen tritt die Partei 1949 mit den "Düsseldorfer Leitsätzen" an. Das Programm heißt nun Soziale Marktwirtschaft.

Die CDU gewinnt die Wahl. Adenauer wird der erste Bundeskanzler der neu gegründeten Bundesrepublik und bestimmt fast 15 Jahre lang die Politik des Landes. 1950 konstituiert sich die CDU schließlich auch als Bundespartei, Adenauer wird Vorsitzender - und bleibt bis 1963 Bundeskanzler.

Stand: 26.06.2015

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