03. Februar 1947 - Ahlener Programm der CDU beschlossen

Konrad Adenauer (1876-1967)

Stichtag

03. Februar 1947 - Ahlener Programm der CDU beschlossen

Winter 1947: Im Mädchen-Pensionat des Klosters St. Michael in Ahlen müssen die Schülerinnen ihren Schlafsaal räumen. Für drei Tage quartieren sich dort 40 Christdemokraten ein. Sie beraten im münsterländischen Bergbaustädtchen über die Zukunft ihrer neugegründeten Partei. Am 3. Februar 1947 beschließt der Zonenausschuß der CDU für die britische Zone unter der Leitung ihres Vorsitzenden Konrad Adenauer das so genannte Ahlener Programm. "Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden", lautet der Eröffnungssatz des Grundsatzpapiers. Weitere sozialistisch anmutende Formulierungen folgen: "Wir fordern die Vergesellschaftung der Bergwerke." Auch die "eisenschaffende Großindustrie" soll enteignet werden. Profitmaximierung und Markt scheinen eine untergeordnete Rolle zu spielen: "Planung und Lekung wird auch in normalen Zeiten der Wirtschaft in gewissem Umfang notwendig sein". Denn: "Ziel aller Wirtschaft ist die Bedarfsdeckung des Volkes."

Den Begriff "Sozialismus" vermeiden

Trotz linker Rhetorik ist das Ahlener Programm jedoch kein Bekenntnis zum Antikapitalismus. Adenauer propagiert darin vielmehr einen dritten Weg: "CDU überwindet Kapitalismus und Marxismus" lautet die Überschrift des Programms. Knapp zwei Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg ist die CDU noch stark von der katholischen Soziallehre und dem christlichen Sozialismus geprägt. Adenauer hingegen ist der Meinung: "Das bürgerliche Zeitalter wird nie zu Ende sein!" Deshalb versucht er, den bürgerlichen Parteiflügel zu stärken und den Gewerkschaftsflügel einzubinden. Das Ergebnis: ein Programm, das beide Seiten zufrieden stellt - und den Begriff Sozialismus vermeidet. Dabei hat Adenauer auch die kommenden Wahlen im Blick: "Mit dem Wort Sozialismus gewinnen wir fünf Menschen und zwanzig laufen weg."

Ausreißer nach links

Bei den ersten Bundestagswahlen 1949 ist das Ahlener Programm bereits überholt. In den so genannten Düsseldorfer Leitsätzen hat sich die Union auf ein neues Schlagwort und einen neuen Mann eingestellt: Ludwig Erhard und die soziale Marktwirtschaft. Einen Punkt aus dem Ahlener Programm realisiert Adenauer allerdings doch noch: die gewerkschaftliche Mitbestimmung der Arbeitnehmer an Unternehmungsentscheidungen. "Die CDU ist die erste bundesrepublikanische Partei, die das in ihr Programm aufnimmt", sagt der Berliner Historiker Daniel Koerfer. Den Ahlener Ausreißer nach links verkauft Adenauer später als taktisches Manöver: "Wir mussten soweit gehen, wie wir konnten. Und wir sind soweit gegangen, um unser Volk zu retten vor der kommunistischen Gefahr."

Stand: 03.02.2007

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