1. April 1815 - Otto von Bismarck wird geboren

Otto von Bismarck, Reichskanzler (undatierte Aufnahme)

Stichtag

1. April 1815 - Otto von Bismarck wird geboren

"Nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden, sondern durch Blut und Eisen." Otto von Bismarck ist als harter Hund bekannt. 1862 übernimmt er als Ministerpräsident und Außenminister die Macht in Preußen. Doch das ist ihm nicht genug. Er will den Flickenteppich kleiner deutscher Länder zu einem Nationalstaat einen. Um das Ziel zu verwirklichen, scheut er auch nicht vor Gewalt zurück. Drei Kriege markieren seinen Weg: Preußens Waffengänge gegen Dänemark (1864), Österreich (1866) und schließlich Frankreich (1870/71). Am Ende steht 1871 die Gründung des Deutschen Reiches.

Daraufhin wird Bismarck von seinem preußischen König, dem Deutschen Kaiser Wilhelm I., zum Reichskanzler ernannt und bleibt 19 Jahre lang im Amt. Er denkt zwar über den Preis seiner Politik nach, gibt sich aber unbeirrt: "Ohne mich hätte es drei große Kriege nicht gegeben, wären 80.000 Menschen nicht umgekommen, und Eltern, Brüder, Schwestern, Witwen trauerten nicht. Das habe ich indes mit Gott abgemacht."

Über 1.000 Liebesbriefe in 47 Ehejahren

Otto Eduard Leopold von Bismarck, der am 1. April 1815 auf dem elterlichen Gut Schönhausen in der Mark Brandenburg geboren wird, ist gefürchtet. Doch er hat auch eine andere Seite. Für ihn ist seine Frau Johanna von Puttkammer sein Ein und Alles - und umgekehrt. Die beiden schicken sich in den 47 gemeinsamen Ehejahren über 1.000 innige Briefe. "Ich will alles tun, was Du willst", schreibt Johanna an ihren Otto. "Unsere Herzen bleiben ja doch immer zusammen. Ewig." Als Bismarck zum ersten Mal Vater wird und für Sohn Herbert noch kein Kindermädchen da ist, zeigt sich der erzkonservative Monarchist von einer ungewohnten Seite: Er bleibt zu Hause. "Mit der Nahrung geht es noch schlecht", schreibt er seiner Schwiegermutter. Das Baby verhalte sich "mit einem Eigensinn. Wie ein schlechter Blutegel."

Bismarck selbst hat als Kind kein gutes Familienleben, wie später Urgroßnichte Maria von Bismarck berichtet: "Die Eltern hatten keine gute Ehe." Das sei eine schwere Ausgangsposition für ihn gewesen. "Der kleine Otto wurde mit sechs Jahren in eine Erziehungsanstalt gesteckt." Das lässt Bismarck mit seiner Frau hinter sich. "Mein Vater hätte sein anstrengendes Leben gar nicht ertragen können, hätte er sie nicht gehabt", so Sohn Herbert.

Schlaflos feilt Bismarck an seinen Strategien

Bismarcks anstrengendes Leben beginnt mit dem Eintritt in die Politik im Revolutionsjahr 1848. Er ist damals wohlhabender Landjunker auf dem Gut seines Vaters, als er gegen die Aufständischen dem Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. zur Seite springt und von diesem belohnt wird. Er soll beim Deutschen Bund die Interessen Preußens vertreten. Von diesem Zeitpunkt an wird Bismarck immer mächtiger, aber auch immer kränker. "Er hatte Gesichtsneuralgie", sagt Maria von Bismarck. Dazu habe er unter anderem unter Gicht, Gallensteine, Gastritis, Venenerkrankungen und Gürtelrose gelitten. "Und das weiß kaum einer: Er konnte die letzten 15 Jahre ohne Morphium nicht schlafen." Denn gerade nachts feilt Bismarck an seinen Strategien und politischen Schachzügen.

Als 1888 Wilhelm II. den Thron besteigt, geht Bismarcks Ära zu Ende. Der Reichskanzler möchte die Existenz Deutschlands nicht durch einen vierten Krieg gefährden. Der junge Kaiser hingegen will Kolonien in Afrika und kanzelt deshalb Bismarck ab. "Wie einen Bediensteten" habe man ihn weggejagt, erklärt Bismarck ein Jahr nach seinem Sturz im März 1890. Er zieht sich auf sein Schloss Friedensruh bei Hamburg zurück, wo er nach dem Tod seiner Frau vereinsamt. Die letzten Worte vor seinem Tod am 30. Juli 1898 gelten ihr: "Gib, dass ich meine Johanna wiedersehe."

Stand: 01.04.2015

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