31. März 1990 - Entlassung aller Stasi-Mitarbeiter

Logo des Ministeriums für Staatssicherheit vor einem Aktenregal

Stichtag

31. März 1990 - Entlassung aller Stasi-Mitarbeiter

Im Herbst 1989 wird es für das SED-Regime in der DDR ungemütlich. Tausende Demonstranten fordern nicht nur Reisefreiheit, sondern auch die Entmachtung der Staatssicherheit, die im Volksmund nur Stasi genannt wird. Die SED hat diesen gigantischen Geheimpolizei-Apparat über Jahrzehnte aufgebaut, um ihre Vorherrschaft zu sichern und andere Kräfte frühzeitig zu unterdrücken. Die Rufe auf der Straße lauten unter anderem "Stasi in die Produktion", "Stasi raus aus der Politik, aus öffentlichen Funktionen, aus der Verwaltung" und "Ich will meine Akte".

Nach dem Fall der Mauer am 9. November 1989 wird das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) zunächst umbenannt in Amt für Nationale Sicherheit (AfNS). Doch das reicht den Demonstranten nicht. Sie besetzen im Dezember 1989 fast alle Kreis- und Bezirksdienststellen, um die einsetzende Vernichtung der Akten zu verhindern. Am 14. Dezember 1989 beschließt die Regierung dann die Auflösung des AfNS. Es werden zwar Mitarbeiter entlassen, dennoch besteht die Zentrale in Berlin-Lichtenberg weiter. Am 15. Januar 1990 wird deshalb auch das Gebäude an der Normannenstraße gestürmt und besetzt.

Krenz: "Stasi war Staat im Staate"

Die Schreckensherrschaft der DDR-Staatssicherheit beginnt am 8. Februar 1950. Der Aufbau des Ministeriums erfolgt unter der Anleitung sowjetischer Offiziere nach dem Vorbild der sowjetischen Geheimpolizei. "Ein ehrlicher, tapferer, disziplinierter und wachsamer Angehöriger des Ministeriums für Staatssicherheit zu sein", heißt es im Fahneneid, "den Vorgesetzten unbedingten Gehorsam zu leisten, die Befehle mit aller Entschlossenheit zu erfüllen und die militärischen und staatlichen Geheimnisse streng zu wahren und zu schützen".

Fritz Pleitgen im November 1989 in Berlin mit dem Vorsitzenden des DDR-Staatsrates, Egon Krenz, bei der Ansicht des eben geführten Interviews.

Fritz Pleitgen im November 1989 in Berlin mit dem DDR-Staatsratsvorsitzenden Egon Krenz bei der Ansicht des eben geführten Interviews.

Vierzig Jahre lang erfährt die Öffentlichkeit kaum etwas darüber, was im Auftrag der Stasi getan wird. Ihre Aufgaben und Zuständigkeiten sind nicht eindeutig festgelegt. Sie unterliegt keinen gesetzlichen Beschränkungen. "Es ist eine Tatsache, dass das Ministerium für Staatssicherheit außerhalb jeder parlamentarischen und Regierungskontrolle stand", sagt 1990 Egon Krenz, der letzte SED-Staatsratsvorsitzende der DDR. Das Verhältnis von SED und Stasi spiegele sich zwar in der vom MfS verwendeten Losung "Schild und Schwert der Partei" wider. Doch in Wirklichkeit habe sich die Stasi zu einem "Staat im Staate" entwickelt, "der selbst Mitglieder der Partei unter Kontrolle nahm".

Über 200.000 Stasi-Mitarbeiter

Nach der Gründung der Stasi wächst ihre Mitarbeiterzahl kontinuierlich. Im Oktober 1989 arbeiten schließlich 91.000 Menschen hauptamtlich für das MfS. Nahezu alle Mitarbeiter sind auch SED-Mitglieder. Dazu kommt ein Netz von circa 110.000 inoffiziellen Mitarbeitern, sogenannte IM. Andere Quellen sprechen von 173.000 solchen Mitarbeitern. Sie alle haben ihre Nachbarn, Freunde und Verwandte überwacht.

Am 31. März 1990 sind alle Mitarbeiter der Staatssicherheit entlassen. Einige Hundert erhalten allerdings neue, befristete Arbeitsverträge, um an der weiteren Abwicklung der Zentrale in Berlin und ihrer Außenstellen in den Bezirken der DDR mitzuwirken.

Stand: 31.03.2015

Programmtipps:

Auf WDR 2 können Sie den Stichtag immer gegen 9.40 Uhr hören. Wiederholung: von Montag bis Samstag um 18.40 Uhr. Der Stichtag ist nach der Ausstrahlung als Podcast abrufbar.