21. Februar 1960 - Biathlon wird erstmals olympische Disziplin

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Stichtag

21. Februar 1960 - Biathlon wird erstmals olympische Disziplin

"Sie schießen mit Gewehren und verstecken sich im Wald", so hat Entertainer Harald Schmidt einmal Biathlon beschrieben. Dabei fasziniert der schnelle Skilanglauf kombiniert mit dem präzisen Schießen die Zuschauer wie kaum eine andere Sportart: Der Körper wird in der Langlaufloipe bis ans Äußerste belastet, am Schießstand muss die Muskulatur sofort in absolute Ruhe fallen. Eine falsche Atmung und der Schuss geht daneben. Der Bruchteil einer Sekunde macht aus Favoriten Geschlagene und aus Außenseitern Sieger. Diese Dramatik liebt das Publikum, das heute dank perfekter medialer Aufbereitung bei Weltcup, Weltmeisterschaft oder Olympischen Spielen immer hautnah mitfiebert.

Das war nicht immer so. Als 30 Biathleten am 21. Februar 1960 zum ersten Mal bei den Olympischen Spielen im US-amerikanischen Squaw Valley einen Wettkampf austragen, sind nur eine Handvoll Zuschauer dabei. Es gibt nur eine einzelne Disziplin: das 20-Kilometer-Rennen der Herren. Geschossen wird noch aus bis zu 250 Metern Entfernung mit militärischen Großkalibergewehren. Die gut 100 Personen im Start-/Zielbereich sind Offizielle, Teambetreuer und Journalisten. Nach Squaw Valley wollen die Olympia-Funktionäre die Sportart wieder aus dem Programm streichen. Zumal die militärische Vergangenheit nicht zum friedlichen olympischen Gedanken zu passen scheint.

Militärische Vergangenheit

Dabei sehen viele Biathleten den Ursprung ihres Sports in der Jagd. Schließlich gehen schon in der Steinzeit die Menschen mit Skiern auf Nahrungssuche. Dennoch: Die Wurzeln des Biathlon-Wettkampfes liegen im Militärischen. "Es ist überliefert, dass ab dem 12. Jahrhundert militärische Skitruppen existiert haben", sagt Gerd Falkner vom Deutschen Skimuseum. Ende des 18. Jahrhunderts messen sich Soldaten an der norwegisch-schwedischen Grenze in einem legendären Wettkampf, den der Historiker Falkner als Ursprung des heutigen Biathlons sieht.

Der Militärpatrouillenlauf - eine Mannschaftsübung, bei der Skilaufen mit Schießen kombiniert wird - taucht erstmals 1902 in Deutschland auf und wird bei den Olympischen Winterspielen in Chamonix 1924 als Demonstrationswettbewerb aufgeführt. Auf Hitlers Wunsch gibt es auch einen Schauwettkampf bei den Spielen 1936 in Garmisch-Partenkirchen. Die Reichswehr und später die Wehrmacht organisieren Meisterschaften. Es bleibt nicht beim Wettkampf: Im Zweiten Weltkrieg bekämpfen sich Skiregimente in Skandinavien und den Dolomiten, weswegen Biathlon nach Kriegsende erst einmal keine olympische Disziplin wird. Und nach der unglücklichen Premiere in Squaw Valley sieht es für ein weiteres olympisches Kräftemessen der Skijäger zunächst schlecht aus.

Umbau zum zuschauerfreundlichen Wettkampf

Mit knapper Mehrheit stimmen schließlich die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees 1961 dafür, dass Biathlon olympische Disziplin bleibt. Regeländerungen bringen 1978 den großen Durchbruch für den Sport: Die Athleten nutzen fortan die weit weniger gefährlichen Kleinkaliberwaffen und zielen aus nur 50 Metern Entfernung auf Klappscheiben. Folglich müssen die Schießstände nicht mehr wie ein Gefechtsgebiet gesichert werden, das Publikum rückt näher ans Geschehen ran. Wer mit der Waffe das Ziel verfehlt, bekommt Strafzeiten angerechnet oder muss eine Runde extra laufen. Das macht Biathlon schneller und attraktiver für Athleten und Publikum.

Die neuen Regeln öffnen den Sport auch für die Frauen. Trotz einiger Vorbehalte gegen die "Flintenweiber" tragen die Biathletinnen 1984 ihre erste Weltmeisterschaft aus, acht Jahre später sind sie auch bei Olympia dabei. Das Interesse ist zunächst begrenzt, die Zuschauerplätze sind bei den Damen oft verwaist. "Wir sind praktisch völlig alleine gelaufen", hat Biathlon-Königin Uschi Disl einmal über einen Weltcup in Ruhpolding Ende der 80er Jahre gesagt. Doch in den 90er Jahren wird Biathlon in Deutschland immer beliebter, auch dank der zahlreichen Siege von Disl bei Weltmeisterschaften, Weltcups und Olympischen Spielen. Heute erzielen auch die Frauen-Wettkämpfe ebenso wie die der Männer sensationelle Einschaltquoten.

Stand: 21.02.2015

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