4. Juli 1950 - Radio Free Europe geht in München auf Sendung

Redaktion von Radio Free Europe in München nach Bombenanschlag 1981

Stichtag

4. Juli 1950 - Radio Free Europe geht in München auf Sendung

Zwei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs sagt US-Präsident Truman seinem sowjetischen Ex-Verbündeten Stalin und der Ausbreitung des Kommunismus den Kampf an. Vor dem Kongress erklärt der Präsident 1947: Die freie Welt, angeführt von den Vereinigten Staaten, müsse allen Völkern beistehen, "die von Unterwerfung durch bewaffnete Minderheiten oder durch äußeren Druck" bedroht seien. Mit dieser Doktrin Trumans beginnt der Kalte Krieg.

Als Speerspitze gegen den Kommunismus gründen die USA noch im selben Jahr den Geheimdienst CIA. Seine Agenten sollen den "Eisernen Vorhang" durchdringen, hinter dem Stalin die Satellitenstaaten seines Sowjetreichs abgeschottet hat. Ein von einflussreichen Antikommunisten geführtes "Nationalkomitee für ein freies Europa" plant den Aufbau eines Radiosenders, der das Informationsmonopol der Sowjetunion in den Ländern Mittel- und Osteuropas brechen soll.

Fragwürdige Rolle beim Ungarn-Aufstand

Maßgeblich von der CIA finanziert, nimmt Radio Free Europe (RFE) am 4. Juli 1950, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag, in München den Betrieb auf. Vor den Mikrofonen sitzen meist Emigranten, die ihre Landsleute hinter dem Eisernen Vorhang in 22 Sprachen mit Nachrichten aus aller Welt versorgen und ihnen die Vorzüge von Demokratie und Kapitalismus nahebringen. "Zerfurchte Gesichter und frühzeitig gebeugte Gestalten sprechen eine beredte Sprache von den Leiden dieser Exilierten", schreibt die "Neue Zeitung" damals. Wie viele der bald 1.200 RFE-Mitarbeiter der CIA angehören, bleibt im Verborgenen.

1953 geht die RFE-Schwesterstation Radio Liberty (RL) auf Sendung, die sich an die Menschen in der UdSSR wendet. Mit Störsendern versuchen die Machthaber im Osten, den Empfang der "Propagandazentrale der Konterrevolution" zu unterbinden, was angesichts immenser Kosten nur lückenhaft gelingt. Eine äußerst fragwürdige Rolle spielt Amerikas Medien-"Kreuzzug für die Freiheit" 1956, als sich die Ungarn gegen die sowjetischen Besatzer erheben. Radio Free Europe ruft die Bevölkerung zum bewaffneten Widerstand auf und suggeriert Hilfe aus dem Westen. Doch die bleibt aus, was viele Ungarn, die sich auf RFE verlassen hatten, das Leben kostet.

Bombenanschlag in München

1971 wollen die USA Radio Free Europe/Radio Liberty vom Image des CIA-gesteuerten Propaganda-Organs befreien. Direkt vom Kongress finanziert, steht die Anstalt nun unter der Kontrolle des Broadcasting Board of Governors. Beinahe regelmäßig werden RFE/RL-Mitarbeiter als Ostagenten enttarnt. Nicht nur der Sowjet-Geheimdienst KGB unterwandert den verhassten Sender und versucht, Journalisten einzuschüchtern oder zu entführen. Im Februar 1981 explodieren zehn Kilogramm Plastiksprengstoff in den Büros der tschechischen Abteilung und reißen ein 18 Meter breites Loch in die Fassade des Sendergebäudes. Acht Beschäftigte werden verletzt, der Sachschaden beträgt rund fünf Millionen Mark.

Drahtzieher des Anschlags soll der Topterrorist Carlos alias Ilich Ramírez Sánchez gewesen sein. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks kommt heraus: Die Bombe wurde im Auftrag des rumänischen Geheimdienstes Securitate gelegt. Ursprünglich nur für die Jahre des Kalten Kriegs geplant, bleiben Radio Free Europe und Radio Liberty auch nach dem Zerfall des Warschauer Pakts im Äther. 1995 übersiedelt die Sendezentrale auf Einladung von Tschechiens Staatspräsident Václav Havel von München nach Prag. Seit Anfang 2000 beschallt die Stimme Amerikas von dort auch die Staaten des Nahen und Mittleren Ostens.

Stand: 04.07.2015

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