6. Juli 1415 - Jan Hus stirbt in Konstanz

Darstellung der Verbrennung von Johannes Hus als Ketzer in Konstanz am 06.07.1415 (Holzschnitt aus dem 16. Jahrhundert)

Stichtag

6. Juli 1415 - Jan Hus stirbt in Konstanz

Im Oktober 1414 wandert Jan Hus von Böhmen nach Konstanz. Dort soll sich der Priester und frühere Rektor der Prager Universität vor dem Konzil verantworten. Er ist seit Jahren von der Katholischen Kirche gebannt. König Sigismund hat ihm deshalb freies Geleit zugesagt. Hus predigt nach dem Vorbild des 1384 verstorbenen Oxforder Theologen John Wyclif, der die weltliche Herrschaft der Kirche und den Verkauf von Kirchenämtern kritisiert. Bei der Wortwahl ist Hus nicht zimperlich. Pfarrer nennt er "schmutzige Zechbrüder": "Viele, die mit Weibern zusammenleben." Auch mit dem Kirchenoberhaupt legt er sich an: "Der Papst lügt." Während Christus die Wahrheit, die Armut und die Nächstenliebe sei, sei der Papst "sein Gegenbild, seine äußere Verneinung".

Hus wettert auch gegen den Ablasshandel der Kirche und das damit verbundene Versprechen, sich von Sünden freikaufen zu können. Auch das Ausstellen von Reliquien, um an Spenden zu kommen, prangert Hus an: "Es ist nichts als Täuschung, wenn man Haare des Erlösers, die Milch der Jungfrau, gar die Vorhaut Christi zeigt."

Freies Geleit wird aufgehoben

Auf seinem Weg von Prag an den Bodensee jubeln Hus Volksmengen zu. In Sulzbach diskutiert er mit Juristen, in Nürnberg lädt der Rat ihn zur Disputation ein. Als Hus am 3. November 1414 in Konstanz eintrifft, sind seine Widersacher schon da. Thema des Konzils sind allerdings nicht nur Hus' ketzerische Lehren, sondern auch die Wiederherstellung der kirchlichen Einheit. Denn es gibt mittlerweile drei Päpste, die sich als Nachfolger Petri bezeichnen. König Sigismund will deshalb die Angelegenheit mit Hus rasch lösen: Dieser soll widerrufen, damit sich die Sache verläuft.

Doch Hus predigt wochenlang wie gewohnt mit scharfen Attacken: Niemand dürfe dem Papst, Priestern oder Fürsten gehorchen, wenn sie Gottes Wort missachten. Da lässt ihn König Sigismund fallen und hebt das freie Geleit für Hus auf. Er weicht damit dem Druck der mächtigen Theologen Pierre d'Ailly und Jean Gerson, die drohen, die Versammlung platzen zu lassen, wenn er Hus nicht preisgebe. Für Sigismund sind die Kircheneinheit und die Aussicht, endlich zum Kaiser gekrönt zu werden, wichtiger.

Tod auf dem Scheiterhaufen

Auch als Hus in ein Verlies direkt neben dem Abort der Mönche geworfen wird, bleibt er unbeirrt. Er sieht im Konzil den Antichristen am Werk. Für ihn sind alle Teufel. "Wenn er sich denen unterwirft, unterwirft er sich der Doktrin des Feindes, des Teufels", sagt Mittelalter-Historiker Jan Keupp von der Universität Münster über Hus' Perspektive. Diese sei "eine Spielart eines Fundamentalismus." Hus nehme die Bibel wörtlich. Die Idee, Gut und Böse könne glasklar voneinander getrennt werden, habe zur Folge, dass ein Gespräch mit einem Anhänger dieser vermeintlichen Wahrheit letztlich nicht mehr führbar sei.

Da während des Konzils alle drei Päpste abgesetzt werden, fällt nicht das Kirchenoberhaupt die Entscheidung, sondern die Versammlung: Der böhmische Theologe wird als Ketzer zum Tode verurteilt und am 6. Juli 1415 verbrannt. Angesicht des Scheiterhaufens soll Hus, dessen Name auf Tschechisch "Gans" bedeutet, gesagt haben: "Heute bratet ihr eine magere Gans. Aber über hundert Jahre werdet ihr einen Schwan singen hören, der sich aus meiner Asche erheben wird. Den sollt ihr ungebraten lassen." Sein Tod wird zum Fanal. In Böhmen bricht ein Aufstand los: 15 Jahre lang widerstehen die sogenannten Hussiten der päpstlichen Übermacht.

Luther: "Ich bin ein Hussit"

Über 100 Jahre nach Hus' Hinrichtung hat er einen Nachfolger, der auch den Ablasshandel kritisiert: Martin Luther. Dessen Thesen sorgen später für eine Kirchenspaltung. 1520 entdeckt Luther: "Ich habe bisher unbewusst den ganzen Johann Hus gelehrt und gehalten." Er sei "Hussit". Wie Hus wettert er ebenfalls gegen den Papst - aber nicht gegen die Fürsten. Denen soll man laut Luther gehorchen. Auch wenn sie im Unrecht sind.

Stand: 06.07.2015

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