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Zeitzeichen: Alfred Müller-Armack geboren

28. Juni 1901 - Geburtstag von Ökonom Alfred Müller-Armack

Stand: 17.06.2021, 16:21 Uhr

Ludwig Erhard und die "Soziale Marktwirtschaft": Das eine ist ohne das andere nicht denkbar. Den Begriff erfunden hat aber ein anderer: der Ökonom Alfred Müller-Armack.

Alfred Müller-Armack, Volkswirt (Geburtstag, 28.06.1901)

WDR ZeitZeichen 28.06.2021 14:32 Min. Verfügbar bis 29.06.2099 WDR 5


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Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg: Das Land liegt in Ruinen, der Schwarzmarkt blüht, die Wirtschaft ist nach Jahren der zentralen Lenkung gelähmt. Zeit für einen klaren Schnitt - aber mit welcher Wirtschaftsordnung? Weder Kapitalismus pur noch sozialistische Planwirtschaft, beschließt der Wirtschaftswissenschaftler Alfred Müller-Armack - und findet einen eigenen Weg: die "Soziale Marktwirtschaft".

Wie ein Wanderprediger durch die Westzone

Den Begriff benutzt Müller-Armack zum ersten Mal in seinem 1947 erschienen Buch "Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft". Der Religionsoziologe und Ökonom, der in Köln und Münster gelehrt hat, beschreibt darin ein Modell, das eine "sinnvolle Verbindung einer aktiven, sozialen Wirtschaftspolitik mit einer Marktwirtschaft" ermöglichen soll. Mit dieser Idee geht er auf Tour. "Er ist wie ein Wanderprediger durch die Westzone gezogen, um dort in Fachkreisen für das Konzept zu werben", erinnert sich ein Weggefährte.

Denn Müller-Armack gilt als freundlich und zurückhaltend, er ist aber auch zäh. Mit Erfolg: Ludwig Erhard, Ökonom wie er, macht ihn noch vor der Währungsreform zum Berater - und spricht wenig später selbst zum ersten Mal von der "Sozialen Marktwirtschaft".

Wirtschaftswunder mit Kehrseiten

Dieses Modell beschert den Deutschen das Wirtschaftswunder, mit steigenden Löhnen, sinkenden Arbeitszeiten und so vielen Jobs, dass Hunderttausende von "Gastarbeitern" ins Land geholt werden. Die Kehrseite: eine satt-zufriedene Nierentisch-Generation.

Für Müller-Armack, zwischenzeitlich auch Staatssekretär unter Erhard, muss die "Soziale Marktwirtschaft" jetzt in eine zweite Phase treten - mit gesellschaftspolitischen Reformen und Umweltschutz - lange ehe es die Grünen gab. Denn für ihn ist sie mehr als eine Wirtschaftsordnung, sondern - wie es der inzwischen verstorbene CDU-Politiker Norbert Blüm beschreibt - eine "Ordnung innerhalb eines größeren Kulturgebildes".

Wie krisentauglich ist die "Soziale Marktwirtschaft"?

Aber 1967 ist es mit dem Wirtschaftswunder vorbei, Ludwig Erhard wird aus dem Amt gefegt - seitdem reißen die Diskussionen um die Krisentauglichkeit der "Sozialen Marktwirtschaft" nicht ab. Müller-Armack ist schon vorher an die Universität Köln zurückgekehrt, sitzt später für die CDU im Rat der Stadt. Am 16. März 1978 stirbt er.

Autorinnen des Hörfunkbeitrags: Anja und Doris Arp
Redaktion: Ronald Feisel

Programmtipps:

"Zeitzeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 28. Juni 2021 an Alfred Müller-Armack. Das "ZeitZeichen" gibt es auch als Podcast.

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