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3. Juni 1941 - Geburtstag von Monika Maron

Maron

3. Juni 1941 - Geburtstag von Monika Maron

Schon in der Jugend und später als Journalistin in der DDR entwickelt sich Monika Marons Gespür für die Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten der Welt. Darüber muss sie schreiben – auch nach ihrer Übersiedlung in die Bundesrepublik.

"Ich beschließe ja nicht, dass ich mich jetzt auflehne", beschreibt sie diesen Zustand. "Ich halte es einfach nicht aus."

((AUDIO))

Monika Maron, Schriftstellerin (Geburtstag, 03.06.1941)

WDR ZeitZeichen 03.06.2021 14:22 Min. Verfügbar bis 04.06.2099 WDR 5


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Privilegiert in der DDR

Geboren wir Maron am 3. Juni 1941 als Monika Iglarz in Berlin. Als "Halbjüdin" im Verständnis der Nazis darf die Mutter den Vater nicht heiraten, der Großvater wird 1942 im Ghetto ermordet. Er bleibt das Zentrum jener Familiengeschichten, die Mutter und Tanten erzählen.

1955 heiratet die Mutter den DDR-Innenminister Karl Maron. Das Verhältnis Monika Marons zum Stiefvater ist gespannt. Als Privilegierte lernt sie die Schattenseiten des Arbeiter- und Bauernstaats erst über Gespräche mit Mitschülern kennen. Trotzdem hält sie am Glauben an den besseren Sozialismus fest – auch noch, als sie nach dem Studium der Theaterwissenschaften als Reporterin die eklatante Umweltverschmutzung in der Industriestadt Bitterfeld miterlebt.

Vom Unterdrückten zum Unterdrücker

Mit einer Reportage will Maron die Verhältnisse ändern – aber sie stößt mit ihrem Anliegen nur auf Anlehnung. Also verarbeitet Maron ihre Erfahrungen in einem Roman. Zum Entsetzen ihrer Mutter bringt sie "den ersten Umweltroman der DDR" (Marcel Reich-Ranicki) unter dem Titel "Flugasche" 1981 im westdeutschen S. Fischer Verlag. Das Buch wird ein großer Erfolg.

Die Stasi will Maron loswerden – und erlaubt ihr deshalb Auslandsreisen. 1988 zieht die Schriftstellerin mit ihrem Mann in den Westen, wo der Roman "Stille Zelle 6" über einen Funktionär, der sich vom verfolgten Antifaschisten zum Unterdrücker im Dienste des SED-Regimes wandelt, erscheint.

Der neue Hausverlag

Der Fall der Mauer habe auch ihr Schreiben befreit, sagt Maron. 1996 erzählt sie in "Animal Triste" von einer verhängnisvollen Liebe, drei Jahre später beleuchtet sie in "Pawels Briefe" ihre Familienhistorie. Daneben entstehen sozial- und politikkritische Essays über Flüchtlingspolitik, Gender-Sprache, "Cancel Culture" oder die Gefährlichkeit des politischen Islam. Oft geht es dabei um die Frage, warum die radikalen Kräfte den Diskurs bestimmen.

2020 veröffentlicht Maron mit "Arthur Lanz" ihren letzten Roman bei S. Fischer. Kurz darauf rennt sich der Verlag von der Autorin. Begründung: Maron sei politisch unberechenbar. Bei Hoffmann und Campe, wo kürzlich die Hundegeschichte "Bonnie Propeller" erschienen ist, findet sie eine neue Heimat.

Heute lebt Maron in Berlin. Zum 80. Geburtstag wünscht sie sich, dass sie "so lange, wie ich lebe, auch schreiben kann – auch, weil ich schreiben muss".

Autor des Hörfunkbeitrags: Jutta Duhm-Heitzmann
Redaktion: Hildegard Schulte

Programmtipps:

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 3. Juni 2021 an Monika Maron. Das "ZeitZeichen" gibt es auch als Podcast.

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