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22. Juni 431 - Eröffnung des Konzils von Ephesos

Schnorr-Bibel, Die Himmelfahrt

22. Juni 431 - Eröffnung des Konzils von Ephesos

Was bedeutet es, wenn Gott Mensch wird, um die Welt zu retten? Kann Gott überhaupt Mensch werden? Und, wenn ja: Wie macht er das? Das sind die ältesten und umstrittensten Fragen des Christentums. Letztendlich geht es dabei auch darum, wer Jesus Christus wirklich war. Und wen Maria geboren hat.

"Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt", heißt es im Johannesevangelium über den Erlöser. Nur: Wie viel Mensch ist das göttliche Wort geworden? Und wie viel Gott ist im Fleisch geblieben? Ganz Gott? Ganz Mensch? Eine Mischung aus beidem?

Konzil von Ephesus wird eröffnet (am 22.06.431)

WDR ZeitZeichen 22.06.2021 14:56 Min. Verfügbar bis 23.06.2099 WDR 5


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Christusgebärerin oder Gottesgebärerin?

Seit dem vierten Jahrhundert sind die nach der syrischen Stadt Antiochia benannten Antiochener der Überzeugung, das Gott in Christi Leib, Seele und Verstand ganz Mensch wird.

Diese Position halten die nach der ägyptischen Mittelmeerstadt Alexandria benannten Alexandriner für gefährlich. Denn ein Wesen, das nicht mehr Gott, sondern Mensch ist, ist für den Heilsplan unglaubwürdig. Schließlich weiß dann niemand, wann aus Jesus Gott spricht und wann Mensch.

Die Lage spitzt sich weiter zu, als Maria theologisch ins Spiel kommt. Für die Antiochener hat sie nur den Menschen Christus auf die Welt gebracht. Für die Alexandriner ist sie "Gottesgebärerin". Öffentlich werben die Parteien lautstark in Predigten für ihre Ansicht.

Die beiden Teil-Synoden

Als 428 mit Nestorius ein Presbyter aus Antiochien zum Patriarchen von Konstantinopel ernannt wird, trifft er auf Mönchsgruppen, die über die Marienfrage heillos zerstritten sind. Die Situation spitzt sich zu, als ein hochgebildeter, streitlustiger Theologe namens Kyrill mit der Alexandrinerposition in den Konflikt eingreift. Zur Schlichtung ruft Kaiser Theodosius II. ein Konzil aus und bestellt die streitbaren Parteien in die Marienkirche von Ephesos.

Die mit Rom verbündeten Alexandriner treffen zu Pfingsten 431 in der kleinasiatischen Stadt ein. Aber die Unterstützer von Nestorius aus Konstantinopel und Antiochien verspäten sich. Kurzerhand eröffnen die Anhänger Kyrills am 22. Juni 431 alleine das Konzil. Nestorius wird für abgesetzt erklärt, die Ansichten Kyrills zur Marien- und Christusfrage als "orthodox" – also rechtgläubig – bezeichnet.

Als die Antiochener endlich eintreffen, halten sie entrüstet eine Gegensynode ab. Sie erklären ihrerseits Kyrill für abgesetzt und die Einheits-Christologie ihrer Gegner für ketzerisch. Was tut der Kaiser? Er bestätigt beide Urteile, enthebt sowohl Nestorius und Kyrill des Amtes und stellt due Streithähne unter Arrest.

Die Frage nach dem Wesen Christi und der Funktion Marias bleibt ungeklärt.

Autoren des Hörfunkbeitrags: Almut Finck
Redaktion: Ronald Feisel

Programmtipps:

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 22. Juni 2021 an das Konzil von Ephesos". Das "ZeitZeichen" gibt es auch als Podcast.

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Stand: 22.06.2021, 10:20