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Klaus Gysi, DDR-Politiker

3. März 1912 - Der DDR-Politiker Klaus Gysi wird geboren

Stand: 16.02.2022, 12:28 Uhr

Minister, Botschafter, Staatssekretär - in der DDR steht Klaus Gysi linientreu auf der Seite der Macht. Nach dem Mauerfall verändert sich sein Blick auf das SED-Regime.

"Eine Diktatur muss man vor Beginn verhindern", sagt der ehemalige DDR-Kulturminister Klaus Gysi 1990 im Interview mit Günter Gaus. "Das ist eine der Erfahrungen meines Lebens. Hinterher wird es unerhört schwer und kompliziert."

Klaus Gysi, DDR-Politiker (Geburtstag, 03.03.1912)

WDR ZeitZeichen 03.03.2022 14:52 Min. Verfügbar bis 03.03.2099 WDR 5


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Zur eigenen Karriere in der DDR äußert sich Gysi jedoch uneindeutig. Auf die Frage, ob es ein Fehler gewesen sei, 1956 den Posten von Walter Janka, dem Leiter des Aufbau-Verlages, zu übernehmen, antwortet Gysi: "Wenn ich es von heute aus sehe: ja." Janka musste ins Zuchthaus, weil ihm konterrevolutionäres Verhalten vorgeworfen wurde.

Dann schränkt Gysi ein: "Ich bin mir nicht sicher, ob ich nicht doch richtig gehandelt habe. Man muss die konkrete Situation sehen." Er habe für den Verlag Schlimmeres verhüten wollen.

In die KPD eingetreten

Geboren wird Klaus Gysi am 3. März 1912 in Neukölln. Sein Vater ist Arzt, die Mutter Buchhalterin. Er legt das Abitur an der Odenwaldschule in Darmstadt ab und studiert Volkswirtschaft in Frankfurt am Main, Paris und Berlin.

1931 tritt Gysi in die KPD ein. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten muss er die Uni verlassen, weil seine Mutter Jüdin ist. Er emigriert nach Cambridge und später nach Paris. 1940 ruft ihn seine Partei zurück nach Berlin: Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges leistet Gysi unter Lebensgefahr illegale politische Arbeit.

"Inoffizieller Mitarbeiter" der Stasi

Nach der Zwangsvereinigung von Sozialdemokraten und Kommunisten in der Sowjetzone tritt Klaus Gysi 1946 der neu gegründeten SED bei. Er hat zunächst einen schweren Stand, denn die Partei soll von bürgerlichen Intellektuellen gesäubert werden.

Gysi verpflichtet sich beim Ministerium für Staatssicherheit. Acht Jahre lang ist er als "IM" für die Stasi tätig. Seine Loyalität zahlt sich aus: Gysi darf nicht nur den Aufbau-Verlag leiten, er wird 1966 sogar Kulturminister. "Er ist parteiergeben und doch intelligent, moskauhörig und zugleich beweglich", schreibt Marcel Reich-Ranicki damals in der "Zeit". "Er ist ein Fanatiker, mit dem sich dennoch reden lässt."

Kirchen unter Kontrolle

1973 wird Gysi Botschafter in Italien. Sechs Jahre später wird er zum Staatssekretär für Kirchenfragen berufen. Er soll mit seiner Eloquenz regimekritische Stimmen unter Kontrolle bringen. Als es Zweifel an seiner Haltung gibt, wird er 1988 entlassen.

Nach dem Ende der DDR tritt Klaus Gysi in die SED-Nachfolgepartei PDS ein, die von seinem Sohn Gregor geführt wird. Politisch aktiv ist er nach einem Schlaganfall nicht mehr. Klaus Gysi stirbt am 6. März 1999 in Berlin.

Autor des Hörfunkbeitrags: Thomas Klug
Redaktion: Matti Hesse

Programmtipps:

ZeitZeichen auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 3. März 2022 an Klaus Gysi. Das ZeitZeichen gibt es auch als Podcast.

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