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Panorama des Hoeschgeländes mit dem Hoeschturm

1. September 1871 – Gründung des Eisen- und Stahlwerks Hoesch

Stand: 25.08.2021, 08:53 Uhr

Im Rheinland werden zur Mitte des 19. Jahrhunderts die Rohstoffe knapper. Deshalb unterschreiben fünf Mitglieder der Familie Hoesch am 1. September 1871 einen Vertrag zur Errichtung eines Eisen- und Stahlwerks bei Dortmund.

Die Region ist Knotenpunkt zweier Eisenbahnlinien und verfügt über Kohle. So scheint die Gründung hier günstig.

Gründung des Stahlwerks Hoesch in Dortmund (am 01.09.1871)

WDR ZeitZeichen 01.09.2021 14:54 Min. Verfügbar bis 02.09.2099 WDR 5


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Die graue Maus

Aber der Start ist schwierig. Der Baugrund ist sumpfig, die Annahme, wie in England Kohle und Erz für die Produktion aus einem Schacht fördern zu können, erweist sich als irrig. Zudem steckt die Wirtschaft noch vor Beendigung des Baus in einer Krise. Aber dann erholt sich die Lage, auf dem Werksgelände der Westfalenhütte in der Nähe des Borsingplatzes entstehen zahlreiche Hüttenwerke und Walzstraßen. Aber erst 1895 kann der erste Hochofen in Betrieb genommen werden.

Lange bleibt Hoesch im Geschäft die graue Maus. Krupp in Essen und die beiden Dortmunder Konkurrenten erweisen sich in vielfacher Hinsicht als innovativer. So richtig sollte sich das erst nach 1945 ändern.

Gründung von Borussia

Trotzdem setzt Hoesch in Dortmund Maßstäbe. Eine Betriebskrankenkasse entsteht, Albert Hoesch gründet eine Stiftung für Menschen in Not, in den 1890er Jahren beginnt der Werkswohnungsbau, namentlich auch das Borsingplatz-Viertel, heute zentraler Bestandteil der Dortmunder Nordstadt. 1909 gründen Mitglieder des Stahlwerks Borussia Dortmund – Spielplatz ist zunächst eine Wiese in Werksnähe. Später wird Hoesch den Verein aus mancher finanziellen Misere retten.

Kurz vor dem Ersten Weltkrieg hat Hoesch bereits 11.000 Mitarbeiter. Im Zweiten Weltkrieg ist das Unternehmen ein kriegsrelevanter Betrieb und beschäftigt Zwangsarbeiter. Obwohl die Kriegsschäden immens sind, kann Hoesch die Produktion auf der Westfalenhütte schon Ende 1945 wieder hochfahren und schafft in der Folgezeit den Aufstieg zum alles dominierenden Großkonzern.

Verwaltungschef wird Oberbürgermeister

1966 schluckt Hoesch die beiden älteren Konkurrenten Union und Phönix. 64.000 Mitarbeitern bietet das Unternehmen Werkssport, Werksreisen, eine Werksbibliothek und ein Werksorchester mit eigener Hymne. Auch kommunalpolitisch hat Hoesch die Fäden in der Hand: 26 Jahre lang ist Verwaltungsdirektor Günter Samtlebe Dortmunder Oberbürgermeister.

In den 1970er Jahren muss auch Hoesch Kosten sparen. 1972 geht der Konzern eine 50-zu-50-Partnerschaft mit dem niederländischen Hoogovens-Konzern ein und wird zu ESTEL. 1982 beendet Detlev Karsten Rohwedder die Kooperation. Als er zur Berliner Treuhand wechselt, beginnt das, was viele später als "feindliche Übernahme" bezeichnen: Inmitten des Machtvakuums kauft Konkurrent Krupp über die Börsen unter der Hand Hoesch-Aktien auf. 1991 gibt Krupp-Chef Gerhard Cromme den Coup bekannt. Ein Jahr später wird Hoesch vom Krupp-Konzern übernommen.

Heute arbeiten noch etwa 1.400 Beschäftigte am Ursprungsort von Hoesch, der Westfalenhütte, für den ThyssenKrupp-Konzern in der Stahlveredlung.

Autor des Hörfunkbeitrags: Kay Bandermann
Redaktion: Gesa Rünker

Programmtipps:

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 1. September 2021 an die Gründung von Hoesch. Das "ZeitZeichen" gibt es auch als Podcast.

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